skyimages.de Photography by Stephan Messner

wo schon des Königs Blicke in die Ferne schweiften…

KönigsplatzFür ein Projekt verschlug es mich nun edlich einmal in die hintere Sächsische Schweiz. Ich muss zugeben, dass dieser letzte Zipfel unserer sächsischen Heimat bislang ein weißer Fleck, der von uns besuchten Gebiete darstellt. Jedenfalls war mein auserkorenes Ziel der Königsplatz unweit von Hinterhermsdorf.
Nach einer wunderschönen Fahrt über Bad Schandau und Sebnitz erreiche ich den malerischen Ort Hinterhermsdorf, der durch seine hübschen Umgebindehäuser schon allein einen Besuch wert ist. Ich stelle das Auto auf den Parkplatz an der Buchenstraße südlich des Ortes ab.
Mein Kofferaum ist voll Gepäck. Ein großer Fotorucksack, noch ein Wanderrucksack mit warmen Sachen, Speis und Trank, ein Schlafsack, Jacken und drei Stative. Mir ist fraglich, wie ich das ganze Zeug ohne Hilfe meiner Muse Katja durch die Wildnis schleppen soll. Naja, der Berg ruft und so wuchte ich den schweren Fotorucksack auf den Rücken. Der Wanderrucksack hängt über dem Hals vor dem Bauch und die Stative finden Ihren Platz mit diversen Bändern am Rucksack. Schlafsack und Jacken werden auch irgenwie angebunden und beladen wie ein Packesel schleppe ich mich durch den Wald. Was für ein Glück, das der gut ausgebaute Wanderweg nur eben dahinführt. Ich glaube eine Klettder Königsplatzerei hätte ich so nicht überstanden. Auch ist die Strecke zu meinem Ziel nicht wirklich weit. Dennoch bin ich froh, als ich völlig durchschwitzt und mit hochrotem Kopf den Königsplatz erreiche. Die wenigen Wanderer vor Ort schauen fragend auf mein Gepäck und sind ob meiner merkwürdigen Gestalt recht schnell verschwunden 😉
Der Königsplatz macht seinem Namen alle Ehre. Ein wunderschöner Blick öffnet sich vom Fels in die hintere Sächsische Schweiz. Keine menschliche Siedlung trübt den Blick in die unberührte Natur. Schroffe Felsriffe wohin man schaut. Das Panorama ist trotz der diesigen Sicht umwerfend. Viele bekannte Berge erkenne ich aus einer ungewohnten Perspektive wieder. Kaltenberg, Tannenberg, Rosenberg, Großer Winterberg und viele andere schöne Wanderziele umrahmen das Blickfeld.

schnauf...

schnauf…

heute ein König...

heute ein König…

Nach kurzer Verschnaufpause, die Sonne neigt sich schon dem Horizont entgegen, beginne ich die Kameras aufzubauen. Als die Fotoapparate endlich die ersten Zeitraffersequenzen aufnehmen, gönne ich mir ein rustikales Abendessen. Käse, Wurst, Brot und ein kühles Bier. Die Sonne schickt die letzten wärmenden Strahlen und der Sandsteinfels wärmt wie ein Ofen. Herrlich! Und das Mitte März. Ich sitze im T-Shirt und geniesse die Natur. Kein Mensch weit und breit. Die Sonne taucht in den Dunst am Horizont und färbt sich blutrot. Die Lanschaft nimmt Konturen an. Ja, das ist der Moment, auf den ich gewartet habe. Die Kameras laufen auf Hochtouren und in einem wahnsinnigen Tempo ändert sich das Licht. Der Zufall will es, dass der Feuerball genau hinter einer abgestorbenen, fotogenen Kiefer den Horizont erreicht und in einem wunderschönen Farbenspiel versinkt. Schnell wandeln sich die warmen Farbtöne und das kühle Blau gewinnt die Oberhand. Die ersten Sterne tauchen auf. Jupiter und Mond erstrahlen hell am Himmel.

fertig für die erste Sequenz

fertig für die erste Sequenz

es kann losgehen

es kann losgehen

Farbenrausch

Farbenrausch

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Ein roter Streif am Horizont im Westen wird immer schwächer und die Dämmerung macht der hellen Mondnacht Platz. Ein Kautz schreit in der Ferne und Fledermäuse umschwirren den Platz. Ich geniesse die Stimmung. Kurz ein paar SMS geschrieben, damit die Muse auch weiß, was ich so treibe und wieder schweift der Blick in die Ferne. Nur im Süden, gedämpft durch den Dunst dringen die Lichter von Steinschönau/ Kamenický Šenov durch die Nacht. Sonst gibt es nur Natur. Irgendwo raschelt es im Busch, ein Knacken, ein Gepolter und schon ist es wieder ruhig. Die Sterne wandern unbeeindruckt weiter auf ihrer stetigen Bahn. Gegen Mitternacht herrscht Stille. kein Laut ist zu vernehmen. Plötzlich schrecke ich hoch. Ein Krachen, so als würde ein Baum umstürzen hallt durch die Weite. Keine Ahnung, schnell ist es wieder Ruhig. Ab und zu nicke ich weg, aber immer wieder lausche ich den Auslösegeräuschen der Kameras und bin schnell hellwach, wenn das vertraute Klicken ausbleibt. Akkuwechsel ist angesagt. Die Kameras neu positioniert und schon läuft die nächste Sequenz. Die Felsen strahlen noch etwas Wärme des vergangenen sonnigen Tages ab. Dennoch beginnt die Kälte ihren Weg durch die dicken Daunenklamotten zu suchen. Bequem ist etwas anderes 😉

Prost, ihr Sterne!

Prost, ihr Sterne!

Spur der Sterne

Spur der Sterne

Schutzhütte im Dämmerlicht

Schutzhütte im Dämmerlicht

Schutzhütte

Schutzhütte

Dafür entschädigt die Natur. Der Große Wagen ist am Himmel steil in das Zenit gezogen. Der helle Mond verliert an Leuchtkraft und neigt sich nach Westen um schließlich in den lichtdämpfenden Dunst einzutauchen. Als Zeichen dafür, dass die Sommermilchstraße bald dazu bereit ist, ihren zauberhaften Sternenglanz in den Himmel zu zaubern, steht das Sternbild des Skorpion tief am Südhorizont. Doch noch ist es nicht soweit, dieses Schauspiel zu bewundern, denn der erste Schimmer der beginnenden Morgendämmerung beginnt die Sterne zu überstrahlen. Erst ist die Dämmerung nur auf den Fotos zu erkennen und noch ehe das Auge diese erkennen kann, hat die Vogelwelt schon begonnen ihr Konzert aufzuführen. Was für ein Leben in diesem Wald. Die Müdigkeit ist verschwunden. Selbst der seltene Wanderfalke sitzt gleich nebenan auf einer Kiefer und schreit lautstark sein helles Stakkato in den Morgen.
Der Dunst, noch nicht als Nebel zu bezeichnen, wabert langsam durch die Täler. Die Berge in der Ferne, beginnen an Kontur zu gewinnen. Mit bedauern muss ich feststellen, dass meine Kameraausrichtung für die geplante Zeitraffersequenz des Sonnenaufgangs doch zu weit nach Süden zeigt. Die Sonne wird zum Aufgang ganz leicht inks ausserhalb des Bildfeldes liegen. Egal, denn da ich schon einige hundert Bilder der Sequenz im Kasten habe, kann ich nun nicht mehr umschwenken.

 ein neuer Tag erwacht

Die Flugzeuge und ihre Kondenzstreifen glänzen hell silbern im Sonnenlicht, welches diese Höhen schon erreicht hat. Dann geht alles ganz schnell. Erst als winziger heller Strich und dann schnell größer werdend, schiebt sich der orangene Feuerball der Frühlingssonne über den Horizont. Das Lichtspiel der Landschaft ändert sich dramatisch. Direkt zum Sonnenaufgang erscheint der Kontrast am größten. Malerisch erscheinen die Berge und Felsen im warmen Licht, der Dunst in den Tälern beginnt sich zu komprimieren. Einzelne, große Fichten werfen ihre aufgefächerten Schatten in die Täler auf den Dunst. Wenige Sekunden später wandelt sich die Farbe der Landschaft gleich flüssigen Silbers. Die Farben verschwinden und die Kontraste lassen nach. Nur wenige Minuten nach Sonnenaufgang wirkt alles verhältnismäßig langweilig. Das war’s. Gleich einem Erwachen nach einem Rausch, beginne ich das Erlebte zu sortieren. Man kann es nicht beschreiben, man muss es selbst erlebt haben.
Noch ein Schluck Mineralwasser und etwas Käse als Frühstück und dabei die schon wärmende Sonne im Gesicht. Ich bin zufrieden mit mir under Welt 🙂

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Farbenrausch

Farbenrausch

Ich packe meine Sachen zusammen, den schweren Fotorucksack auf den Rücken, den Wanderrucksack auf den Bauch und Jacken, Schlafsack, Plane irgendwie mit Bändern befestigt. Der Packesell stolpert keuchend durch den morgendlichen Wald. Immer wieder entdecke ich dabei schöne Lichtspiele und Motive, welche förmlich danach rufen, abgelichtet zu werden. Es ist bestimmt lustig, mich zu beobachten, wie ich vollgepackt versuche auf den Waldboden niederzusinken, um eine Flechte oder ein beleuchtetes Moosstück aus der Bodenperspektive aufzunehmen. Irgendwie schaffe ich es unter großer Luftnot sogar, wieder aufzustehen 😉

Die Farben des Morgen

Die Farben des Morgen

Wegweiser zum Königsplatz

Wegweiser zum Königsplatz

der perfekte Ort zum Sonnenaufgang

der perfekte Ort zum Sonnenaufgang

Wanderweg

Wanderweg

so nebenbei

so nebenbei

Wanderweg

Wanderweg

Erschöpft, aber überaus glücklich erreiche ich den Parkplatz. Auf der Rückfahrt nehme ich die Route durch das Kirnitzschtal und finde auch da schöne Fotomotive. Gegen 10.00 Uhr komme ich glücklich zu Hause an. Schön zu sehen, dass meine allerliebste Muse noch vor ihrem Gang zu Arbeit, ein schönes Frühstück vorbereitet hatte. 😀

Haidemühle

Haidemühle

Haidemühle im Kirnitzschtal

Haidemühle im Kirnitzschtal

Haidemühle Haidemühle

One Thought on “wo schon des Königs Blicke in die Ferne schweiften…

  1. Hallo Stephan,
    sehr schöner Bericht! Danke!
    Sicherlich werde ich den von dir erwähnten Standpunkt auch einmal aufsuchen. Er erscheint mir optimal zur Sternefotografie.
    vg, Sandro

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