skyimages.de Photography by Stephan Messner

bohemian rhapsody

Porta Bohemica

Porta Bohemica

Während die unvergessene Band „Queen“ in ihrer „Bohemian Rhapsody“ einen musikalischen Höhepunkt nach dem anderen liefert, kamen wir am letzten Sonntag im März in den Genuss, eine wunderbare Landschaft nach der nächsten erleben zu dürfen.
Wir hatten über das Wochenende Fotofreunde zu Besuch und so diskutierten wir Samstag Abend, welche Fototour wir am Sonntag unternehmen wollen. Der Vorschlag, den Sonnenaufgang auf unserem Lieblingsberg, dem Hohen Schneeberg/ Děčínský Sněžník zu beobachten wurde von der holden Weiblichkeit vor allem wegen der Zeitumstellung nicht mit Begeisterung aufgenommen. Doch die Männer wusste ihre Musen durch gute Worte umzustimmen.

Das grelle Piepen des Weckers zerreißt die Stille der Nacht gegen 05.30 Uhr Sommerzeit. Schnell sind wir alle wach und als die Fotorücksäcke und der große Frühstückskorb im Auto verstaut werden, freuen wir uns, doch so zeitig aufgestanden zu sein. Das Auto kennt die Strecke schon auswendig, und nach nicht ganz einer halben Stunde erreichen wir das Plateau der höchsten Erhebung des Elbsandsteingebirges. Groß ist die Freude, im Tal nach Tetschen/ Děčín den dichten Nebel ziehen zu sehen. Zwar ist der Himmel über uns recht dunstig, aber ein paar Sterne sind dennoch zu sehen und die Venus strahlt ihren Glanz im Südosten. Schnell sind die Kameras aufgebaut und Seb und ich fotografieren um die Wette. Die Frauen hüllen sich derweil in die mitgebrachten warmen Decken und so warten wir auf den Anbruch des Tages. Eigentlich wollte ich keinen Zeitraffer aufnehmen, da ich von diesem Aussichtspunt doch schon einiges an Material gesammelt hatte, doch die Landschaft zeigt sich jedesmal anders und so dauert es nicht lang, bis meine Zweitkamera aller drei Sekunden ein Klack des Auslösegeräusches in den Morgen schickt und fleissig fast eintausend Bilder zu sammeln.
Dann geht alles wieder ganz schnell. Fast unscheinbar zeigt sich gedämpft durch den starken Dunst der dunkelrote Feuerball der Sonne. Schnell steigt diese höher und im flachen Licht der Sonne modelliert sich die Landschaft heraus. Nicht sehr stark, da das Licht keine so rechte Kraft hatte, aber dennoch romantisch schön.

Sonnenaufgang auf dem Hohen Schneeberg

Sonnenaufgang auf dem Hohen Schneeberg

Inzwischen haben sich die Frauen aufgerafft und den Inhalt des Frühstückskorbs auf dem Holztisch unter dem Aussichtsturm ausgebreitet. Jetzt noch eine schöne heiße Tasse Kaffee. Doch der mitgebrachte Gaskocher hat eine Macke. Nur mit Hilfer einer Zange kann ich das Ventil etwas bearbeiten, so dass ein wenig Gas ausströmen kann. Allerdings nicht am eigentlichen Brenner, sondern unterhalb am Hals der Flasche. Egal, auch so eine blaffende Flamme erzeugt Hitze und so schauen die Frauen mich skeptisch an, ob nicht die Kartusche mir doch noch u die Ohren fliegen würde. Der Alutopf mit Kaffeewasser weigert sich standhaft, eine gewisse Temperaturerhöhung zuzulassen. Nach einer halben Stunde, wir sind mit dem Frühstück eigentlich schon fertig, beschliessen wir, dass das Wasser „heiß“ genaug für den Kaffee sei. Naja, sagen wir mal, das Wasser mit dem Kaffee hat eine braune Farbe angenommen und weist sofort Trinktemperatur auf. Egal, wir werden schon noch einen ordentlichen Kaffe bekommen.


Der erste Teil unserer sonntäglichen Rundreise ist nach zwei Stunden beendet und schon sind die Sachen gepackt und wir machen uns auf den Weg ins Böhmische Mittelgebirge/ České středohoří.
Für 9.00 Uhr haben wir uns mit Marek, einem tscheschischem Fotofreund im Velemin verabredet. Das Navi zeigt als Ankunftszeit 9.05 Uhr an. Ok das ist schon in Ordnung. Ich sende Marek eine SMS, dass wir auf dem Weg zu ihm sind.
Wir fahren durch Aussig/ Ústí nad Labem und wie wir die Stadt erreichten, umschlietß uns der dichte Elbnebel. Keine Spur mehr von Sonne. Schnell durch, durch die graue Stadt und hoch ins angrenzende Gebirge. Steil führt die Straße bergan nach Hostovice. Und siehe da, auf wenigen Hundert Metern Steigung lichtet sich der Nebel und wir erblickten die strahlende Sonne am blauen Himmel.
150 Höhenmeter unter uns liegt die Industriestadt Türmitz/ Trmice aber von der Stadt ist nichts zu sehen. Wie in Watte eingepackt liegt diese unter dichten Nebel. Nur die gewaltigen Schornsteinschlote des Kraftwerkes Trmice durchbrachen die Nebeldecke und reckten ihre schlanke Gestalt in den blauen Himmel. Natürlich muß diese Szenerie fotografiert werden.
Weiter geht es durch die schöne Landschaft. Vor uns, nur einen kleinen Abstecher weit, liegt Dubitz mit dem malerischen Dubitzer Kirchlein/ Dubický Kostelík. Das der Blick hinunter in den weiten Talbogen der Böhmischen Pforte sehenswert ist, wissen wir schon von früheren Besuchen. So erreichen wir den Aussichtspunkt am empfehlenswerten Restaurace a penzion U Svaté Barbory. Der Blick hinab ins Elbtal ist grandios. Dicker Nebel wallt durch das Tal und die Sonne lacht uns ins Gesicht. Ein Traum. Mist, Marek wartet und es ist schon kurz nach neun Uhr. Warum meldet er sich nicht? Ich versuche in telefonisch zu erreichen. Fehlanzeige. Es geht kein Ruf ab. Ich beschließe, dass ich allein schnell nach Velemin fahre, um Marek abzuholen. Der Rest der Truppe kann ja den Ausblick weiter geniessen. So erreiche ich mit 30 Minuten Verspätung Velemin und kann schließlich Marek am Parkplatz finden. Soviel zur deutschen Pünktlickeit 😉
Egal, wir begrüßen uns herzlich und fahren gleich wieder zurück nach Dubice. Als wir ankommen hat sich der Nebel im Tal schon merklich gelichtet. Nur noch lose Fetzen ziehen die Elbe entlang. Wir machen noch ein paar Fotos und Marek nutzt die Chance einen Zeitraffer aufzunehmen. An dieser Stelle sei hier auf Mareks wunderschonen Zeitrafferfilm „Usti n./L-Timelapse“ verweisen.
Die Sonne strahlt und so beschliessen wir, dass es Zeit für ein kühles Bier ist. Wärend dessen äussere ich nur den Hinweis, dass wir doch eigentlich auch Wandern wollen. Die Truppe scheint sich mit dem Faulenzen beim Bier in der Sonne und Blick auf die Elbe abgefunden zu haben. Nichts da! Ich mache den Vorschlag, wenigstens auf den Müllerfelsen/ Mlynářův kámen zu wandern, der nur 2 Kilometer entfernt liegt. Und schon wandern wir durch die herrlichen Wälder oberhalb des Elbtales. Überall Grünt und blüht es. Die ersten Kirschblühten sind schon aufgesprungen, Buschwindröschen zeigen einen letzten Glanz bevor sie entgültig verblühen. Leberblümchen sorgen für balue Farbkleckse im lichten Wald. Die Sonnenstrahlen spielen durch die Baumwipfel. Die Zweige der Lärchen und Hainbuchen zeigen schon das zarte Grün des Frühlings, Ahornbäume stehen in voller Blüte. Alice im Wunderland lässt grüßen. Wir erreichen einen ersten Aussichtsfelsen und geniessen die Sicht ins Elbtal. Die Sonne strahlt warm und es ist wie Sommer. Da blüht zwischen den Basaltfelsen die Kuhschelle, der Mauerpfeffer und viele andere Pflänzchen. Bienen summen und Schmetterlinge flattern liebestaumelnd paarweise durch die warme Luft. Wir spazieren weiter und erreichen den exponierten Müllerfelsen. ein schmaler Metallsteg führt auf die Felskuppe mit Gipfelkreuz. Wieder lassen wir die Landschaft auf uns wirken. Die Zeit schreitet voran und als der Entschuß gefasst wird, in Dubice gelich noch Mittag zu essen, machen sich alle ganz schnell auf den Rückweg. 😉
So dauert es nicht lang, als wir auf der sonigen Terasse der Heiligen Barbara beim Tschernoseker Wein und Gulasch uns der Schlemmerei hingeben.
Marek muss noch zu einer Familienfeier und so verabschieden wir uns von ihm.

Als unser nächstes Ziel wird hrad Ostrý, die Burg Wostrey oder Scharfenstein bei Milleschau/ Milešov als Wanderziel auserkoren. Wir parken unterhalb der Milleschauer Kirche und wandern über die Felder, vorbei an Schlehenhecken in reichtung Berg. Am Fuß des Basatlberges im lichten Buchenwald blüht es wieder in voller Pracht. Weiter durch große Basaltblockfelder schlängelt sich der Wanderpfad in Richtung Gipfel.

Ostry Rundblick

Ostry Rundblick

Gleich einem hohlen Zahm weisen auf dem Gipfel des Ostrý die Basaltsäulen in den Himmel. Alte, teilweise wieder neu errichtete Mauerreste zeugen von der Vergangenheit als Burg. Wir tragen uns ins Gipfelbuch ein und erfeuen uns der Landschaft. Obwohl es recht dunstig ist, können wir die Hauptgipfel des Mittelgebirges aller gut sehen. Auch im Süden zeigt sich ganz blaß die Hasenburg mit ihren auffälligen zwei Türmen.
Wir wollen gar nicht mehr weg von hier. Die Frauen liegen in der Sonne und wir Männer erkunden das Gewirr aus Felsen und Mauern, immer auf der Suche nach einem schönen Fotomotiv. Der Nachmittag neigt sich dem Ende und so lockt als Abstiegsziel das Restaurant in Kotzauer/ Kocourov. Wir lassen uns das Abendessen munden und wandern über die wenig befahrene Straße zurück nach Milleschau.


Schon seit längerem wollte ich die Kirche von Milleschau einmal näher untersuchen. Ein barockes Kleinod in einem erbärmlichen Zustand. Nur Notdürftig ist das teilweise eingestürzte Dach gesichert. Überall Verfall. Noch erschreckender ist der Zustand des alten Friehofes. Alles ist verfallen. Ausgewachsene Bäume haben die Grabumfassungen ausgehbelt, Grabsteine umgeschmissen. Wir finden vorwigend deutsche Grabsteine. Nach der Vertreibung scheint der Friedhof nicht mehr benutz worden zu sein. Nur zwei einsame Gräber zeugen von eine Pflege. Auf einem Grab sind sogar frische Steifmütterchen gepflanzt. Aber auch eine gewisse Aktivität in Form von abgeschnittenen Büschen ist su sehen. Ein wahrlich geheimissvoller Ort.


Die Sonne geht schon unter, als wir uns entlich wieder auf dem Heimweg machen. Über 14 Stunden waren wir unterwegs und hatten dabei insgesamt 16km zurückgelegt.

 

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