Wanderung zu den Märzenbechern im Höllengrund bei Böhm. Leipa

08. April 2018
Lang ließ der Frühling auf sich warten. Und um so schöner ist es, das Aufblühen der Natur zu erleben. Ein nicht mehr ganz so geheimer „Geheimtipp“, eine wahre Explosion des Frühlingserwachens zu erleben ist der Höllengrund/ Peklo, auch Karbenschlucht genannt, bei Böhmisch Leipa. Das wildromatische Tal beherbergt das größte Vorkommen an Märzenbechern der Tschechischen Republik.
Wir nutzen den Frühlingstag zu einer knapp 20km langen Wanderung durch das Tal und der Umgebung

Wanderroute durch das Höllental

Startpunkt ist das Neuschloß/ Nový Zámek in Neugarten/Zahrádky das einstige Domizil des berühmten Wallenstein. Seit 2003 fehlt den Gebäude auf Grund eines Brandes der Dachstuhl. Nach dem Durchqueren der Reste des Schloßparks läd schon der erste Bierausschank under den Sandsteinfelsen zur Rast ein. Über offenen Feuer köchelt die Polevka und das Bier schmeckt frisch gezapft in der milden Frühlingssonne besonders gut. Doch mit langem Verweilen wird es nichts, denn wir haben noch fast die ganze Strecke vor uns.

Unter dem Stahlviadukt der Nordböhmischen Transversalbahn, welche das enge Felstal überspannt, finden wir schon die ersten Frühblüher
Wir durchqueren das winzige Örtchen Karba mit seinen liebevoll erhaltenen typischen Holzhäusern, welche sich dicht an die mächtigen Sandsteinfelsen schmiegen.

Bevor rechts eine kleine Brücke den Robitzbach/ Robečský potok überquert steht an der Weggabelung noch ein Steindenkmal mit aufgesetztem Eisenkreuz, dessen Inschrift ich leider nicht mehr entziffern kann.

Und dann geht es hinein, in das eigentliche Höllental. Ein unberührter, urwüchsiger Auwald, durchzogen vom mäandernden Robitzbach. Viele Bäume haben die letzten Winterstürme nicht überstanden und liegen, Mikadostäben gleich, kreuz und quer. Der hölzernen Bohlenweg, welcher die recht zahlreichen Touristen trockenen Fußes durch die Sumpflandschaft führt ist von den Baumstämmen freigeschnitten. Hinweistafeln geben Auskunft über die Naturlandschaft in Tschechisch und Englisch. Die sumpfigen Inseln sind dicht bestanden von unzähligen Märzenbechern. Eng rahmen die steilen Sandsteinfelsen das Tal ein. Quellen sprudeln am Fuße der Felsen hervor. gerahmt von üppigen Moosen und Brunnenkresse. Der Bohlenweg schängelt sich dicht an den verwitterten Sandsteinwänden entlang, Teilweise geht es unter Überhängen und einmmal durch einen Tunnel direkt durch den Sandstein.

auf cirka halber Strecke durch das Tal geht nach rechts ein Abzweig durch ein Nebental hinauf auf das Sandsteinplateau. Ein Wegweiser führt zu einer großen Ziegenfarm. Im kleinen Laden kann man frische Produkte kaufen. So stärkten wir uns mit Ziegenkäse und einem Liter frischer Milch. Leider ist der Zugang zum Aussichtspunkt auf den Sandsteinfelsen nicht zugänglich. So kehren wir mit frischer Energie wieder um hinab in den Höllengrund.

Es gibt so manches zu entdecken. Auch sind wir nicht die einzigen, welche die Schönheit dieser Natur geniessen wollen. Eine große Menge von Menschen, ob jung, ob alt, sind auf den hölzenen Bolenwegen unterwegs und manchmal stauen sich gar die Menschenmassen.

Am Talausgang, kurz vor Böhmisch Leipa biegen wir nach links vom Weg ab und gelangen in eine ausgedehnte Teichlandschaft. Angler vertreiben Ihre Zeit und wir hoffen im nächsten Örtchen auf Restaurant, da der Hunger sich schon lautstark im Magen bemerkbar macht. Auf meiner Wanderkarte (mapy.cz) ist eine entsprechende  Lokalität verzeichnet und so erreichen wir voller Vorfreude das Örtchen Eicha/Dubice. Doch die Endtäuschung ist groß, als wir das so gennante Restaurant erblicken. Seit Jahren scheint es schon geschlossen zu sein. Hungrig wandern wir weiter, dem jetzt blauen Wegweisern folgend  zu der langen Sandsteinwand mit der oberhalb liegenden ehemaligen Felsenburg Hahnelstein/ Robečský hrádek. unvermittelt fällt die Sandsteinwand steil in die Schlucht hinab. eine dünne Sandsteintafel hält sich, den Gesetzen der Gravitation zum Trotz, hartnäckig an der Wand. Von der eigentlichen Burg ist leider nichts mehr übrig genlieben und auch im Internet lässt sich nur wenig darüber finden.  gleich auf dem Zugang zur Burg geht es über eine verwunschene Steintreppe hinauf und am Aussichtspunkt Vyhlídka Hanlův kámen blicken wir, vom Dunst getrübt, nach Nordwesten ins Lausitzer Bergland und zur Stadt Böhmisch Leipa/ Česká Lípa.

Der blauen Markierung weiter folgend durchqueren wir einen kleinen Weiler, dessen teilweise völlig vermüllte Grundstücke ein Traum eines jeden Urbex-Fotografen sein könnten. Kurz darauf sehen wir das kleine Örtchen Quitkau/ Kvítkov. Ein altes verfallenes Wegkreuz wird zur Zeit wieder aufgebaut. Die Reste des Sandsteinsockels liegen wie Puzzleteile auf einem Haufen und das Fundament ist schon neu in Beton gegossen. Den kurzen Abstecher zur Statue der heiligen Barbara ignorieren wir aus Zeit- und Hungergründen. Wir finden noch mehrere neu sanierte Kreuze, die Kirche des heiligen Jakob d. älteren/ Kostel sv. Jakuba Staršího erstrahlt im neuen Glanz. Das ganze Dorf macht einen sehr gepflegten Eindruck. Doch Leidern können wir unseren Hunger noch immer nicht stillen, denn unser anvisiertes Zwischenziel, das Restaurant Kvítkovská konírna öffnet erst in einer Stunde. So lassen wir den Quitkauer Pferdestall links liegen und folgen weiter dem blauen Wegweiser in Richtung Paulinengrund/Pavlínino údoli

Kurz nach dem Ort verlassen wir die blaue Markierung und biegen recht in den Wald, um auf Schleichwegen, dem Navi vertrauend, hinab in den Paulinengrund/ Pavlínino údoli. Ein kleiner sauberer Bach schlängelt sich durch das enge Sandsteintal. Schließlich erreichen wir wieder Karba und laufen auf der schmalen, stellenweise in den Fels eingeschnittenen Zufahrtsstraße zurück nach Neugarten/Zahrádky. Dort können wir endlich beim heilg. Hubertus/ Hostinec U Svatého Huberta unseren Hunger und Durst stillen. Und ehe wir nach 19km müde unser Auto erreichen, besuchen noch die an der Hauptstraße stehende Statue des Erzengel Michael aus 1750, welche ein gewisser Johann Adolf Graf von Kaunitz errichten ließ.

Fazit: Eine sehr schöne Abwechslungsreiche Tour. Die Fülle an blühenden Märzenbechern ist wirklich einmalig. Aber auch die Sandsteinlandschaft, kleinteiliger, irgendwie verspielter als derer in im Elbsandstein, ist jederzeit einen Besuch wert.

Link zur Route als GPX-Datei: www.belplasca.de/peklo.gpx

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