Grenzgänge

Winterwald am Hohen Schneeberg Teil 1: Hoher Schneeberg
Lange haben wir darauf gewartet. Am Wochenende des 25./26. Januar 2014 war es nun endlich soweit und der Winter hielt im Elbsandsteingebirge Einzug. In den Morgenstunden war es zwar noch bewölkt, aber ein Check der Webcams auf dem Hohen Schneeberg/ Děčínský Sněžník und dem Milleschauer/ Milešovka zeigte schnell, dass im böhmischen bereits die Sonne schien.
Unser Plan war, einen Foto- Wanderausflug ins Böhmische Mittelgebirge/ České Středohoří zu starten.
Schnell erreichten wir die Grenze und fuhren noch im Grau der Wolken durch Peterswald/ Petrovice um kurz danach in Höhe der Autobahnabfahrt endlich die Sonne zu erblicken. Was für eine Pracht. Krumm gebogen durch die Last des dicken Raureifs leuchteten die Bäume im gleißenden Sonnenlicht. Auf dem Nollendorfer Pass/ Nakléřov wollte ich die ersten Bilder der winterlichen Landschaft machen.


Da meine Canon EOS 6D zum Service ist hatte ich nur mein altes Arbeitspferd die Canon EOS 50D mit dabei. So stieg ich mit der EOS 50D aus dem Auto und der kalte Wind pfiff mir um die Ohren.
Das erste Motiv war gesichtet, Kamera eingestellt und Auslöser gedrückt. „Klick“ machte es und die Kamera war aus. Keine Fehlermeldung, nix. Einfach aus. Ich hatte den Akku unter verdacht, dass er in der Kälte seinen Geist aufgegeben haben könnte. Voller Entsetzten musste ich feststellen, dass ich die Ersatzakkus zu Hause in der Ladestation vergessen hatte. Mist. Also noch einmal den alten Akku reingesteckt. Die Kamera machte ein leises „Klick“ und die Anzeige war wieder da. Merkwürdigerweise zeigte die Akkuanzeige 100% Akkuleistung an. Hä? Muss ich dass begreifen? Neuer Versuch, wieder stieg die Kamera aus. So ein Mist. Erst am letzten Abend hatte ich noch auf Facebook gepostet, dass diese Kamera fast 220 Tausend Auslösungen auf den Buckel hat (Link). Wollte die Kamera meinen Übermut strafen. Egal, so geht es nicht und so beschlossen wir, schnell zurück nach Hause zu fahren um die anderen Akkus zu holen und die Kamera zu checken. (Mehr zur Fehlersuche der Kamera folgt in einem separaten Blog)
Um es kurz zu machen, zu Hause musste ich feststellen, dass die EOS 50D ne Macke hat und merkwürdiger Weise nur mit meinem Fischauge von Canon kommunizieren will. Nun ja, was will man machen und so packte ich mir noch meine Not-Kompaktknipse ein und wir starteten einen erneuten Versuch unseres Fotoausflugs.
Mittlerweile war der Tag schon recht weit fortgeschritten und so schmissen wir unseren ursprünglichen Plan über den Haufen und beschlossen unserem Hausberg dem Hohen Schneeberg wieder einen Besuch abzustatten. Der Berg ist immer wieder einen Besuch wert, auch wenn es in diesem Monat schon der dritte ist 😉
Im kleinen Örtchen Schneeberg angekommen, war der Parkplatz auch recht voll und am Rodelhang herrschte regelrechte Volksfeststimmung. Leider versteckte sich die Sonne immer wieder hinter den Nebelschwaden. Wird sich der Aufstieg wirklich lohnen? Ich war skeptisch.
Wir wanderten die Zufahrtsstraße bergauf und genossen den Winterwald. In einer Kurve zweigt versteckt der rot markierte Wanderweg von der Zufahrtsstraße nach rechts in den Wald. Gleich einem Märchenwald wirkte die Szenerie.
Plötzlich brach die Sonne durch und der stahlblaue Himmel zeigte sich makellos. Ein Traum! Dunkle, fast schwarz wirkende Sandsteinfelsen, dick vom Raureif ummantelte Baumgestalten, grünes Heidelbeergestrupp mit Schneedecke. Das Auge kann sich nicht sattsehen. Immer wieder blieben wir stehen und machten Fotos. Wir waren auf diesem Wegstück die einzigen Menschen. Ruhe und eine wunderschöne Natur umgaben uns wie in einer Traumwelt. Wir durchstreiften die großen Sandstein-Boulder und erreichten schließlich das Plateau des Hohen Schneeberg.

Winterwald am Hohen Schneeberg auf de Hohen Schneeberg
Winterwald am Hohen Schneeberg
Winterwald am Hohen Schneeberg Winterwald am Hohen Schneeberg
Die Sicht öffnete sich, aber es fehlt an Weitsicht. Der Dunst und die Nebeldecke reichten fast bis zur Höhe des Tafelberges und nur mit Mühe erkannte man in der Ferne ein paar Bergkuppen. Aber über uns strahlte der Himmel blau. Entlang der Abbruchkante fanden wir immer wieder schöne Fotomotive und erreichten schließlich den steinernen Aussichtsturm. Ein Aufstieg lohnte sich nicht wirklich und auch zogen von Norden her wieder Nebelbänke heran und verdeckten die Turmspitze. Der Turm selbst zeigte sich in einem schönen Reifkleid.

Sicht vom Hohen Schneeberg Sicht vom Hohen Schneeberg
Sicht vom Hohen Schneeberg auf dem Hohen Schneeberg
Aussichtsturm auf dem Hohen Schneeberg Aussichtsturm auf dem Hohen Schneeberg
Wir beschlossen, die Zeit bis zum Sonnenuntergang auf dem Berg zu verbringen und besuchten das Berggasthaus „pod rozhlednou“. Ladislav, der Wirt, musste gleich Lachen, als er uns wieder sah.
Mit einer Flasche Wein und gutem Essen verbrachten wir die Zeit mit Blick hinaus um den sich ständig wechselnden Wetter zuzusehen. Leider wurde es immer trüber und so machten wir uns gegen 16.00 Uhr wieder auf den Rückweg. Ab und zu gab es ein paar kleine Lücken in dem Nebeldunst und so zeigte das sich verändernde Farbenspiel, dass die Sonne gleich untergeht. Wir machten noch ein paar Fotos und erreichten gutgelaunt mit einbrechen der Dunkelheit unser Auto.
Am Sonntag wollen wir wieder hinaus. Das Wetter muss ja ausgenutzt werden 🙂
Berggasthaus auf dem Hohen Schneeberg Abendlicht auf dem Hohen Schneeberg

3 comments

  1. Aber es hat sich doch auch mal richtig gelohnt mit nicht viel mehr als mit nem Fischauge bewaffnet gewesen zu sein! Manchmal ist Minimalismus eben mehr! Sind herrliche Bilder geworden!

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