skyimages.de Photography by Stephan Messner

4.Tag – Fahrt nach Mostar


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03.Juli 2010 Fahrt nach Mostar

Einen wunderschönen Guten Morgen an Alle zu Hause gebliebenen!

Es ist 7.30 Uhr und die Grillen brüllen ihr Konzert in den stahlblauen Himmel. Nach meiner morgendlichen Dusche bin ich dabei, das Frühstück vorzubereiten. Wir wollen bald losfahren. Doch die Kinder wollen…

…Schlafen!

Felix lässt sich als erster wecken. Falk weigert sich aufzustehen. Soll er halt liegenbleiben. Ich frühstücke zusammen mit Felix, packe unsere sieben Sachen zusammen und kann letztendlich Falk mit der Verlockung, vor der Abfahrt noch einmal im Meer baden zu gehen, zum Aufstehen überreden.

Zur Morgenstunde – es ist erst 9.00 Uhr – ist der Strand noch menschenleer. Wir stürzen uns in die kühlen Fluten, genießen einen letzten Blick über das Ufer und nachdem ich 250 Kuna (rund 30 EUR) für zwei Tage Camping gezahlt habe geht es bei brütender Hitze wieder auf Achse.

Wir fahren die Küstenstraße entlang in Richtung Süden nach Makarska. Wochenende und Küstenstraße, diese Kombination sollte man tunlichst vermeiden! Im Schritttempo quälen wir uns in die Stadt, in der wir unbedingt zum Tanken müssen.

Am Ortseingang entdecken wir auch schon eine Tankstelle und kurz darauf der Tank wieder voll.

Nichts wie weg von der Küstenstraße und wir biegen eine kleine Nebenstraße hinauf ins Gebirge. In Serpentinen windet sich die kleine Straße über beeindruckende Steilhänge hinauf und immer wieder fasziniert der Blick hinunter zur Küste. Kleine Orte mit malerischen Häfen liegen wir Perlen aufgereiht am Ufer. In der Ferne sind die vorgelagerten Inseln im Dunst zu erahnen.

Kurze Fotostopps, soweit es die Kinder zulassen, müssen schon sein. Der Gebirgsrücken ist erreicht und durch weite karstige Landschaft geht es in Richtung Grenze nach Herzegowina. Wir queren die im Bau befindliche Autobahn und fahren durch ein weites, üppig grünes Tal, welches nach der kargen Landschaft des Karsts mit den fruchtbaren, kleinparzelligen Feldern eine wahre Wohltat fürs Auge ist. Plötzlich ist sie da, die Grenze. Mitten in einem kleinen Dorf. Erst der Kroatische Zoll, dann, zwei Häuser weiter, der bosnische Grenzbeamte. Vor uns das Auto ist schon abgefertigt und dann sind wir an der Reihe. Es folgt ein genauer Blick in unsere drei Pässe und die obligatorische Frage nach dem Inhalt meines Transporters. „Camping“ entgegnete ich und muss prompt aufmachen. Ein kurzer Blick in unsere Schlafhöhle und wir dürfen hinein nach Bosnien/ Herzegowina.

Kleine Orte mit vom Wein umwucherten Häuser, Feigenbäume, die ersten Palmen. Eine wunderschöne Landschaft. Und wir sind die einzigen Touristen! Klar, die Strecken, welche ich mir für unseren Urlaub heraussuchen sollen ja nicht gerade Haupturlaubsrouten sein!

Wir erreichen Grab. Plötzlich vor uns eine Skulptur mit Wegweisen nach allen mögliche Richtungen. New York, Berlin, Tirana… Irgendwo habe ich das Teil schon mal im Internet gesehen. Wir halten an und schon spricht uns ein einheimischer junger Mann im perfekten Deutsch an. Wir beschauen die Skulpturensammlung und werden gebeten, auf der Außenterrasse einer ehemaligen Lokalität Platz zu nehmen. Der Patrone des Hauses aktiviert sein Deutsch, welches er in den 60er Jahren auf Arbeitsaufenthalten in Deutschland konserviert hatte. Wir plaudern über Gott und die Welt, ich erfahre so einiges über die ethnischen Wirrwarr dieser Gegend und wir bekommen noch einige Tipps für unsere Reise. Einen starken Kaffee und zwei Limo später geht es unter großem Winken weiter.

Wir biegen kurz von unserer Reiseroute zu den Wasserfällen von Kravica ab, den wir uns unbedingt ansehen sollen. Falk protestiert erst ob der brütenden Hitze und doch schon erreichen wir einen großen Parkplatz, werden fünf Euro Parkgebühren los (warum fühle ich mich ein wenig übervorteilt?) und machen uns im gleisenden Sonnenschein auf den Weg zu den Wasserfällen. Wir sind nicht die Einzigen, welche sich die Mühe machen. Ganze Busladungen sind unterwegs. Irgendwie scheint das auch eine Art Wallfahrt hier zu sein. Viele Mönche in Ihrer Kluft, aber auch Muslima mit Kopftuch, kurz ein großes Mischmasch an Kulturen ist auf dem Weg zu den Wasserfällen, die schon vom Weiten mit ihrem Rauschen den Lärm der Zikaden übertönen. Erste Blicke öffnen sich durch das Buschwerk zu den Fällen. Toll! Der Umweg hat sich wirklich gelohnt. Ähnlich den Fällen an den Plitvitzer Seen stürzen hier mehrere Fälle auf großer Breite in die Tiefe und bilden einen herrlichen azurblauen See, der zum Baden einlädt.


Kravica Waterfalls / Bosnia and Herzegovina in bosnia-herzegovina

Natürlich nutzen wir diese Erfrischung und halten uns ca. eine Stunde hier auf. Ein paar Gaststätten säumen das Ufer. Alles kostet 1,50 EUR bzw. drei Mark. Wasser, Bier, Eis. Das ist hier wohl der obligatorische Preis für Touris? Egal, die Kinder lassen sich das Eis schmecken und nach einer ausgiebigen Pause quälen wir uns wieder den steilen Berg hinauf zum Auto. Wobei Felix sich nicht so recht abmüht, da er auf meine Schultern sitzt.

Am Auto angekommen ist der Effekt der Abkühlung des Badens natürlich verflogen, aber egal, der Ausflug war toll!

Kurz darauf biegen wir ins Tal des Flusses Neretva. Wieder dieses unwirkliche Türkis! Von hohen Bergen gesäumt, schlängelt sich das kristallklare Wasser das Tal entlang. Die ersten Moscheen zeigen sich, dann wieder kath. Kirchen. Die Ortsschilder werden zweisprachig (Latein/Kirill). Die Vegetation besteht aus einem dichten Buschwerk aus Essigbäumen, Feigen, Eichen… ein kleines Paradies. Wenn nur ab und an nicht die zerschossenen Häuser zu sehen wären. Doch vieles ist schon wieder neu erbaut.

Felix ist eingeschlafen. Die Uhr zeigt kurz nach 14.00 Uhr, als wir Mostar erreichen. Der Weg zum Hotel ist gut ausgeschildert. Ich zirkle das Auto durch die engen Gassen der Altstadt, muss an manche Abbiegung zurückstoßen, damit wir um die verwinkelten Ecken zu kommen. In einer winzigen Seitengasse befindet sich unser Hotel. Von außen deutet eigentlich nichts auf das gehobene Niveau hin, über welches im Internet über das Hotel berichtet wird.

Wir klingeln, den schlaftrunkenen Felix habe ich im Arm, da öffnet sich die Tür. Wir werden hereingebeten und befinden und augenblicklich ein einem großen luxuriösen Salon. Wir lassen uns in die barocken Sitzmöbel fallen und werden mit kühlen Getränken verwöhnt. Währenddessen überschüttet uns die Gastgeberin mit einen Redeschwall auf Italienisch. Das ich kaum Italienisch verstehe, scheint sie nicht zu stören. Doch dann kommt der Herr des Hauses und die Konversation geht nun zum Glück in Englisch weiter. Unser gebuchtes Doppelzimmer wird auf Vorschlag der Gastgeber ohne Aufpreis in ein Apartment geupgradet (was für eine Wortschöpfung!), da dieses mit zwei Doppelbetten ausgestattet ist.

Ein großes Zimmer, kleine Küche, ordentliches Bad, tipptopp sauber, hier kann man es aushalten.

Eine dringend benötigte Dusche später, Falk hat zwischenzeitlich das 20 Sender umfassende Fernsehprogramm erkundet holen wir die Koffer aus dem Auto. Leider konnte ich es nicht fotografieren, wie die beiden Jungs -jeder einen großen Koffer hinter sich herziehend- durch die engen Gassen der Altstadt marschieren.

Jetzt ist es schon 16.30 Uhr und ich tippe den Bericht schnell und mit vielen orthographischen Freiheiten ins Netz. Felix zerrt währenddessen an meinem Arm, er will endlich Eis essen! Falk schaut Fußball und seit dem 1:0 für Deutschland und Falks lautstarker Jubelbekundung, weiß halb Mostar, dass Deutsche hier untergekommen sind 😉

Wieder zerrt Felix. Ich muss erst mal Schluss machen und mit ihm Eis essen gehen. Falk will weiter Fußball schauen, dieser Kulturbanause

…bis später…

Ich schlendere mit Felix durch die wunderschöne Altstadt von Mostar. Während Falk sich über das 4:0 für Deutschland freut, werden wir als Deutsche auf den Basaren überall über das Fußballspiel angesprochen. Die Altstadt ist fantastisch. Verwunschene Winkel, Moscheen, Basare, eine Kneipe neben der anderen, man kommt aus den Schauen und Staunen gar nicht mehr heraus. Immer wieder eröffnen sich neue Ausblicke auf den Fluss mit seiner „alten“ nach dem Krieg wieder aufgebauten Brücke.


Evening in Mostar /BiH in bosnia-herzegovina

Die Luft ist erstickend schwül. Felix will getragen werden und den Fotorucksack habe ich auch noch auf dem Buckel. Der Schweiß fließt aus allen Poren und tropft nur so aus dem Gesicht. Schon wieder muss ich duschen gehen und mich umziehen. Die alten, verschwitzten Sachen ziehe ich gleich durchs Wasser.

Jetzt ist es schon 19.00 Uhr und während ich die Zeilen tippe, zieht sich Falk und Felix an, damit wir jetzt wieder in der Altstadt abtauchen und in einem verwunschenen Winkel aus TausendundeinerNacht zu Abend essen.


Mostar at night /BiH in bosnia-herzegovina

Um es kurz zu machen, die Stadt ist ein Traum! Wir drei Männer schlendern gemütlich durch die Altstadt auf der Suche nach einer uns genehmen Lokalität. Papa strapaziert die Geduld der Jungs und machte natürlich wieder eine Menge Fotos. Hier kann man einfach nicht anders! Ein Motiv jagt das nächste. Gerade zur Blauen Stunde kann man sich hier nicht genug sattsehen. Wir überqueren die neue „Alte Brücke“ und finden auf der anderen Fluss Seite ein eine hübsche Kneipe. Wir sitzen auf eine der unzähligen Terrassen am Ufer der Neretva mit Blick auf die pittoresken Häuser der Altstadt. Die untergehende Sonne färbt die Szenerie in eine Märchenlandschaft. Hatte ich weiter oben schon den Begriff „Märchen aus Tausend und einer Nacht“ gebraucht? Hier muss ich mich wiederholen.


Evening in Mostar /Bosnia i Herzegovina in bosnia-herzegovina

Wir bestellen unser Abendessen. Chivabcici für Falk, Schnitzel für Felix und für Papa eine Forelle aus den Fluss zu unseren Füßen und alles wird in Mark bezahlt 😉

Nicht nur die Altstadt bietet was für des Papas Auge. Mit Sonnenuntergang geht ein Schaulaufen der besonderen Art los. Junge Frauen, nein man muss schon sagen Mädchen flanieren herausgeputzt in die unzähligen Kneipen. Selbst Falk kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Und ich als Vierzigjähriger alter Knacker muss sagen, dass das Arrangement zusammen mit der Altstadtsilhouette schon irgendwie stimmig ist 😉

Kurz und Gut, die Stadt explodiert vor Leben. In jeder Ecke sind Leinwände Aufgezogen und die Fußball-WM wird übertragen. Falk fühlt sich wie im Schlaraffenland. Wie arbeiten uns von Kneipe zu Kneipe vor. Für Papa ein Bier, Falk eine Cola und Felix ein Eis. Und zwischendurch Unterbrechung für Fotos. Wir bleiben irgendwo hängen um das Ende von Uruguay vs. Spanien zu erleben. Felix huschelt sich in meine Arme und Falk genießt seine „Freiheit“.


Fussball WM 2010 auf Großleinwand in Mostar in bosnia-herzegovina

Gegen 22.15 Uhr geht es ab ins Hotel. Felix auf meinen Schulterm, die Kamera mit Stativ auch noch irgendwie gepackt und Falk mit überquellenden Augen von einer Leinwand zur anderen wandelnd.

Die Straßen sind voll Menschen und das Leben pulsiert.

Ich stehe vorm Hotel, setzte Felix ab und suche in meinen Taschen den Schlüssel, werde schon etwas nervös, als Falk mich anstößt und zur Tür zeigt. Felix steht mit dem Schlüssel davor und versucht die Tür zu öffnen. Der kleine Kerl hat es irgendwie geschafft, mir den Schlüsselbund unbemerkt zu entwenden.

Habe ich schon geschrieben, dass Felix es drauf hat, mit einer Mark in der Hand auf mein Zureden hin, allein zur nächsten Eisdiele (ich hatte die Situation natürlich unentwegt im Blick) zu gehen um sich eine Kugel Eis zu holen?

Man könnte ganze Filme drehen 😉

Naja, jetzt ist es 23.00 Uhr und Falk beschließt, morgen Früh nicht aufstehen zu wollen. Ist es schlimm, wenn ich gestehe, dass er jetzt noch fern schaut und sich die Fußballauswertung reinzieht? Felix schläft nun tief und fest. Man muss sich mal überlegen, was die Jungs heute so alles erlebt haben?

Aufstehen und Baden in der Adria, Fahrt nach BiH, Mittagsrast im Ar… der Welt bei einer wildfremden, herzlichen Familie, Baden in den Wasserfällen von Kravica und nun diesen Schmelztiegel von Stadt namens Mostar.

Es gibt doch schöne Seiten des Lebens!

Mittlerweile ist es 00.30 Uhr und ich muss Schluss machen

Gute Nacht…

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