skyimages.de Photography by Stephan Messner

5. Tag – In Mostar


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04.Juli 2010 Der Tag in Mostar

Lang war die Nacht und entsprechend lange dauert es, bis ich die Kinder gegen 8.30 Uhr aus den Federn bekomme.
Das Frühstück im Hotel ist ok, jedoch gibt es wegen einem Stromausfall keinen Kaffee. Macht ja nichts. Ich bin ja eh nicht so der große Kaffeetrinker. Da die Inhaber so wie es schein Italiener sind, gibt es zum Frühstück auch eine ordentliche Auswahl an diversen Seranoschinken, Salami und andere südländische Leckereien. Gegen 10.00 Uhr machen wir drei uns wieder auf den Weg in die Altstadt. Um diese Zeit erwacht das sonntägliche Leben. In den Kaffees am Straßenrand sitzen die Männer, schauen dien Frauen hinterher und lassen Allah einen frommen Mann sein.
Meine erste Fotostation ist die Koski Mehmed-Pasha Moschee. Nach einem kleinen Obolus darf ich mein Panorama fotografieren und dann steigen wir drei die extrem engen Stufen auf das hohe Minarett. Platzangst darf man in dieser dünnen Röhre keine haben. Falk stürmt vorweg, dann müht sich Felix die hohen Stufen hinauf und ich sichere von Hinten, soweit das mit Stativ, Fotorucksack und Kamera überhaupt möglich ist. Die Stufen nehmen kein Ende, doch dann sind wir oben. Ein winziger Rundgang bietet gerade Platz für uns drei. Die zwei Jungs streiten sich und haben keinerlei Sinn für die fantastische Aussicht. Ich verdonnere die Beiden, sich auf die andere Seite des Minaretts zu verziehen, damit ich in Ruhe mein Panorama machen kann. Murrend folgen die Streithähne meiner Anweisung.
Der Blick von hier oben ist einfach gigantisch. Unter uns die Dächer der Moschee, der türkisblaue Fluss Neretva, die engen Gassen der Altstadt, die Brücken. Fast ist die Szenerie schon als kitschig zu bezeichnen. Überall in der Stadt zeigen sich Minarette in Konkurrenz zu den Kirchen der Kroaten. Dessen großer Turm der Franziskaner-Kirche schon durch seine Überdimensionierung gar etwas lächerlich wirkt.


view from mehmed pašina mosque over Mostar BiH in bosnia-herzegovina

Gegen Mittag werden die Gassen von ganzen Busladungen von Touristen verstopft. Rothenburg o.T., Nürnberg, Berlin oder Mostar. Überall der gleiche Touri-Kommerz.
Die Kinder bekommen wieder Eis und Felix lässt seine Kugel kurz darauf auf das Pflaster klatschen. Habe ich schon geschrieben, dass er gestern auf diese Art zwei Eis schon „entsorgt“ hatte? Er schaut mich traurig an und ich schimpfe mit ihm. Das dritte Eis runtergeschmissen! Die Eisverkäuferin hat ein gutes Herz und drückt Felix eine neue Waffel mit Eis Kugel in die Hand. Der Knirps grinst mich frech an.
Wir verziehen uns in der Mittagshitze an die Felsenufer des Flusses gleich unterhalb der alten Brücke. Der Strom ist reisend und Ich erlaube Felix in einem ruhigen Nebenarm herumzuplanschen.
Papa kann es nicht lassen und springt kopfüber in das glasklare Wasser. Ich tauche tief, genieße das grüne Licht und spüre die Kälte in meinen Körper dringen. Mit kräftigen Zügen steuere ich Unterwasser zum Ufer zurück nur damit ich beim Auftauchen bemerken muss, dass ich doch ganz schön gewaltig abgetrieben bin.
Ich klettere über die Felsen zurück zu den Kindern, erhalte von Falk für den Kopfsprung eine Haltungsnote 1, als Felix energisch darauf besteht nun endlich Kackern zu müssen.
Super! Ausgerechnet hier, unter dem Blick hunderter Touristen, welche von der Brücke zusehen und ich mit nassen Hosen. Um die Ecke ist eine Kneipe und die Toilette sehr ordentlich, so dass ich Felix sein Geschäft verrichten lasse. Als Obolus für die Toilettenbenutzung bestelle ich ein Bier und wir gehen wieder zum Ufer, wo Falk auf uns gewartet hat.
Die Hitze wird unerträglich und wir verziehen uns auf eine Terrasse einer kleinen Chevabchici-Kneipe. Der obligatorische Blick auf Brücke, Fluss und Altstadt, man gewöhnt sich schnell an die Aussicht. Die Kinder bekommen hausgemachte Limonade und ich einen bosnischen Kaffee.
Winzig klein ist das Silberkännchen, voll mit Kaffeesatz und einem Hauch von heißen Wasser obendrauf. In ein kleines Porzellanbecherchen mit viel Zucker gieße ich das extremstarke Muntermacherelexier.
Die Portion Fleischspieße mit Pommes und Fladenbrot reicht für uns drei.
Müde und durchgeschwitzt erreichen wir unser Hotel. Unentwegt rennt Felix von einem Schatten zum anderen, da er barfuß läuft und sich sonst die Füße verbrennt. Er weigert sich standhaft seine Schuhe anzuziehen.
Vor dem Hotel sind noch die Elektriker beschäftigt die Stromversorgung wieder herzustellen. Vor dem Hoteleingang äußert die Hotelchefin ihren Unmut, dass Felix Barfuß umherrennt und alles Schmutzig machen würde. Auf Steinfußboden? Und was ist, wenn ich mit Schuhen das Hotel betrete? Ich nehme Felix auf den Arm und mein Gesichtsausdruck dürfte meine Gedanken auch ohne Italienisch deutlich gemacht haben.
Wir kommen in unser Zimmer und vom Kühlschrank zieht sich ein Schmelzwassersee quer durch den Raum. Die Putzfrau wischt schnell auf und ich wasche Felix die Füße.
Die Jungs können es nicht lassen, und toben trotz Ermahnung in den Betten, bis sie sich wieder streiten. Doch irgendwann ist Felix dann eingeschlafen.
Es ist jetzt 15.00. Der Strom ist wieder da und draußen tobt ein kräftiges Gewitter.
Bis 16.30 hat Felix geschlafen. Nun sind wir wieder unterwegs. Falk will mir beim Fotografieren assistieren und trägt den Fotorucksack. Felix bummelt hinter uns her. Gleich neben unserem Hotel befindet sich ein moslemischer Friedhof, den ich mir näher anschauen möchte. Beklemmend sind die eingetragenen Jahreszahlen. Geboren oft um 1970, gestorben allesamt 1993. Gleich nebenan steht noch ein von Granaten zerschossenes Gebäude. Der Krieg ist noch gegenwärtig. So fragt Felix, warum der Mann dort nur ein Bein hat.
Wir bummeln und werden langsam aber sicher von der Stadt übersättigt. Wir suchen uns eine schöne Kneipe und setzten uns auf die Terrasse um, wie mein Schwager zu sagen pflegt, „Menschenzuschauen“. Bald zwei Stunden verbringen wir so und amüsieren uns oft köstlich über die herausgeputzten Gestalten, die hier ein Schaulaufen veranstalten. Ein junger Mann versucht krampfhaft seine Freundin auf High Heels zu halten, die sich trippelnd einen Weg über das grobe, marmorne Kopfsteinpflaster bahnt. Fettleibige in knallbunten Leggins gepresste, sonnenverbrannte Nordeuropäer sorgen ebenfalls für gute Stimmung.
Das Abendessen ist wieder vorzüglich und gut gesättigt machen wir und gegen halb acht auf den Rückweg ins Hotel. So ein paar Tage in einer Stadt machen unheimlich müde.
Schnell geduscht und schon hat Falk auf RTL im Fernsehen den Film „Reise um die Welt in 80 Tagen“ entdeckt. Beide Jungs schauen gespannt den aktionreichen Klamauckfilm, während ich diese Zeilen in den Rechner hämmere.
Soeben habe ich festgestellt, dass der Speicher, auf welchen dieser Blog gehostet wird keine Bilder mehr annimmt. Da gibt es eben ab sofort nur noch Text.
Morgen geht es wieder weiter in Richtung Montenegro ins Gebirge. Dort wird es sicherlich eh schwierig, ins Internet zu kommen. Macht euch also auf ein paar Tage Funkstille gefasst.
Gute Nacht und bis demnächst…

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