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7. Tag- zum See Plav


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06. Juli 2010 – durch wilde Canyons zum See Plav

Ich bin seit 6.00 Uhr munter. Die Nacht war kalt und es wurde im Auto recht klamm.
Dicke Nebelschwaden ziehen schnell über den Kamm des Dumitor- Gebirges. Felix wird kurz darauf munter und Falk tut so, als würde ihn alles nichts angehen.


Durmitor Mountains Montenegro in montenegro

Zum Frühstücken ist der Platz für die Kinder zu kalt und zu schattig. So fahren wir, Falk noch hinten schlafend, ein paar Kilometer über den Gebirgspass und suchen uns ein sonniges Plätzchen. Ich packe wieder den Tisch und die Stühle aus und bereite das Frühstück vor. Mit Felix zusammen, Falk schläft noch immer bzw. tut so, frühstücken wir im schönsten morgendlichen Sonnenschein. In der Ferne am Pass wallen die Nebelbänke und über uns strahlt der blaue Himmel. Zähne putzen und Katzenwäsche für Felix und wir fahren gemütlich mit vielen Fotostopps die Serpentinen der Passstraße hinab. Mittlerweile macht sich gegen 8.30 Uhr Falk bemerkbar und nach einem kurzen Stopp zum umziehen hat uns die Zivilisation in Form des Ferienortes Zabljak wieder. Ein typischer Wintersportort slawischer Prägung. Nicht unbedingt hässlich, aber auch nicht wirklich schön. Viele Urlaubshäuschen in Form von Finnhütten sind zu sehen, ein paar neue Hotels aber auch eine Menge sozialistischer Bausubstanz und diverse Investruinen. Viele Urlauber sind hier mit dem Fahrrad unterwegs. Über reich blühende Bergwiesen geht es in Serpentinen durch üppig grüne Buchenwälder und dann sehen wir unvermittelt vor uns die beeindruckende Bogenbrücke über die tiefe Schlucht der Tara. Wir machen eine kleine Pause, Kaufen zwei kalte Limo und schlängeln uns kurz darauf der Schlucht entlang, wobei sich die Bilder von denen des gestrigen Tages fast gleichen. Frage: Welche Farbe hat das Wasser der Tara?


Bridge over Tara Canyon Montenegro in montenegro

Schließlich erreichen wir den Abzweig auf eine stark befahrene Straße nach Norden. Dies scheint die Lebensader nach Serbien zu sein. Laster reihen sich an Laster. Aller paar Meter wirbt ein Hotel und junge Mädchen verkaufen am Straßenrand Himbeeren, Preiselbeeren und Honig und bieten sicherlich auch andere Dienste an.
Dann auf einer geraden Strecke achte ich nicht auf die Geschwindigkeit und ein Polizist winkt mich mit fuchtelnder Kelle aus dem Verkehr. Mit gebrochenen Englisch deutet er mir auf die Laserpistole seines Kollegen zeigend, dass ich etwas zu schnell unterwegs sei. Die Pistole zeigt 86 km/h und ich frage, wie viel denn erlaubt sei. Als er mir 50 km/h antwortet zucke ich innerlich zusammen. Die beiden verlangen den Führerschein und beratschlagen sich. Innerlich sehe ich schon die Euroscheine den Besitzer wechseln. Mehr nebenbei fragt der eine, ob ich unterwegs ins Kosovo sei. Ich wittere eine Fangfrage, denn ich weiß, dass Montenegriner mehrheitlich proserbisch eingestellt sind. So antworte ich wahrheitsgemäß, dass unser Ziel der See von Plav ist. Das scheint den beiden zu freuen, dass wir Urlaub in Montenegro machen und das Lasergerat zeigt jetzt nur noch null km/h an. Ich klopfe den Beiden auf die Schulter und wir verabschieden uns lachend.
Felix hat die ganze Sache tief und fest verschlafen. Wie fast immer um die Mittagszeit ist er eingeschlafen.
Das ewige Gekurve geht mir nun auch langsam auf den Keks und ich beratschlage mit Falk, ob wir heute im Auto campen, oder doch lieber ein Hotel suchen wollen. Falk tendiert eindeutig zum Hotel.
Die Ortschaften, welche wir passieren und in denen einige Hotels mit ihrer Werbung am Straßenrand auf sich aufmerksam machen, wirken nicht sehr einladend. So fahren wir weiter zügig in Richtung Plav zum See. Die Landschaft wirkt immer mitteleuropäischer und erinnert stark an die Alpen.
Wir erreichen gegen 13.00 den schönen See und als ich den Wegweiser zum Campingplatz sehe beschließe ich, Falks Wunsch nachzukommen und ein Hotel zu suchen. Das erste im Ort ist sieht schon vom weitem aus als würde Tito gerade seine Urlaubstage dort verbringen. Sozialistisches Ambiente ist nicht für uns. Wir fahren weiter.
In der Ferne, am Seeufer, sehe ich ein neues Holzgebäude mit großen Sonnenschirmen auf der Terrasse. Das Bild hatte ich schon im Internet gesehen. Wir verlassen den Ort und steuern den neu wirkenden Holzbau an. Die Gartenanlage ist großzügig und tipptopp gepflegt. In der Rezeption werde ich freundlich auf Deutsch empfangen und kurze Zeit später beziehen wir freudestrahlend unser großes Zimmer mit vier Betten, großem Bad mit Massagedusche und herrlichem Blick auf den schilfumsäumten See.


Lake Plav / Montenegro in montenegro

Doch erst einmal unter die Dusche um den Staub der letzten Tage hinter uns zu lassen.
Das Hotel ist aufs modernste eingerichtet, doch im Detail hapert es. Haltestangen in der Dusche sind ausgeklappert, der Griff der Klobürste ist lose, Elektrokabel hängen frei aus der Decke. Nachdem alle geduscht haben, Falk stand zwischenzeitlich wegen eines kurzen Stromausfalls im Dunkeln unter der Dusche, rücken wir zum Mittagessen auf die Terrasse am Seeufer ein. Das Hotel scheint voll auf serbische Gäste eingestellt zu sein. Die Speisekarte z.B. ist nur in Kyrillsich vorhanden. Doch die Bedienung ist nett und kann uns auf Deutsch weiterhelfen. So bestellen wir eine Portion Fisch und eine Portion irgendwas Fleischiges und wir werden angenehm überrascht. Der Fisch schmeckt vorzüglich und das Fleisch entpuppt sich als riesiges Schweineschnitzel, mit Käse gefüllt, gewickelt und mit Panade gross frittiert. Alles sehr lecker.
Felix sagt zu allem erst einmal Igitt, das esse ich nicht! Doch dann isst er doch noch etwas Fisch und Fleisch.
Die Kinder gehen ans Ufer Fische füttern. Das Seeufer ist dicht von einem Schilfgürtel gesäumt. Vor dem Hotel befindet sich ein Holzsteg, der das Zeitliche schon gesegnet hat und einige Meter hinaus auf den See führt und zwar Hand hoch unter Wasser. Falk versucht, den Steg hinaus zu laufen, was aber wegen des glitschigen Algenbewuches nicht so einfach ist. Ich folge ihm und taste mich haltsuchend auf den See hinaus. Tausende kleine Fische schwimmen in dem warmen Wasser. Große Seerosen bilden neben dem Schilf und vielen anderen wuchernden Wasserpflanzen eine herrliche Unterwasserwelt.
Gegen 17.00 Uhr faulenzen wir in unserem Zimmer. Ich tippe diesen Text und Falk findet im Fernsehen nur einen verrauschten serbischen Sender so dass er mir jetzt bei der Textkorrektur behilflich ist, nachdem er mit Felix im Zimmer umhertobte und ich wieder einmal lautstark einschreiten musste.
Mal sehen, was der Abend noch so bringt…
Wir verbringen den Abend im Gastraum mit einer Menge an Gästen und schauen uns das Fußballspiel im Fernsehen an.
Recht früh aber macht sich die Müdigkeit breit und wir sind schnell auf unserem Zimmern und schlafen…

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