skyimages.de Photography by Stephan Messner

9.Tag- zum Komansee


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08. Juli 2010 – Zum Komansee

Da ich erst heute früh spät ins Bett gekommen bin -die Diskobeschallung ging bis um drei- wache ich erst gegen acht Uhr auf. Die Kinder schlafen noch tief und fest. Nach meiner morgendlichen Toilette ist Felix wie immer als erster auf den Beinen. Als Falk munter wird huschen sich beide Kinder noch zusammen in ein Bett. Ich packe derweil die Koffer. Lustig ist es anzuschauen, wie die Kinder, jeder sich mit einem Koffer abmühend, sich zum Auto begeben.
Nach dem das Auto reisefertig bepackt ist, begeben wir uns ins Hotel zum Frühstück. Die Kellner sind bemüht mit uns englisch zu reden. Zur Auswahl stehen für die Getränke lauwarme Milch oder Instant-Zitronentee. Jeder bekommt einen Teller arrangiert mit aufgeschnittenen Tomaten, einen Stück gebratenen Schinken, Schafskäse, einem aufgeschnittenen hartgekochten Ei und Feigenkonfitüre.
Felix lehnt gewohnheitsmäßig erst einmal alles ab, isst dann aber doch wenigstens die Tomate und ein kleines Stück Brot mit Konfitüre. Falk ist noch den Schinken mit Brot dazu.
Dann geht es wie den Kindern versprochen an den Strand. Zur dieser morgendlichen Stunde, wir haben es gerade erst einmal 9.00 Uhr ist der Strand noch fast leer. Die Schirme stehen zusammengeklappt in Reih und Glied. Wir gehen ganz nach vorn und okkupieren zwei Liegen. Keine Ahnung, ob man hier einen Obolus dafür zahlen muss. Uns hat jedenfalls niemand angesprochen.
Das Wasser ist heute auch bedeutend klarer. Die Kinder toben raus und rein. Wir bauen zusammen eine Kleckerburg, was die Neugier anderer Kindern erregt. Langsam füllt sich der Strand mit Menschen. Gegen Mittag dränge ich zum Aufbruch. Wir kaufen in einen der Buden noch Weißbrot und in einer andern Pfannkuchen, die sehr lecker schmecken. Immer wieder ist es beeindruckend was hier auf engstem Raum feilgeboten wird.
Doch nun heißt es Abschied von diesem Trubel zu nehmen.
Ich fahre die Straße noch weiter nach Westen, bis die Strandsiedlung zu Ende ist. Überall wird wild gebaut. Alles wirkt irgendwie chaotisch. Moderne Hotels und Apartments neben Bauruinen, dann wieder Haufen von Müll, teilweise vor sich hin schwelend und beißenden Rauch von sich gebend.
Wir fahren die Straße wieder zurück in Richtung Shkodër. Am Ortseingang finde ich den Abzweig zum Westufer des Shkodër -Sees.
Unser Auto ist durch die gestrige Gebirgsfahrt total verdreckt und so entschließe ich mich kurzerhand einen der unzähligen Autowäschen anzusteuern.
Fünf Euro soll ich für das Putzen meines Transporters hinblättern. Ich gebe vier und alle sind zufrieden.
Derweil rücken wir in ein angrenzendes Café ein. Beide Kinder bekommen ihre Fanta und ich meinen morgendlichen Kaffee.
Von Ferne können wir beobachten wir drei Männer sich über unser Auto hermachen und wie wild putzen. Nach getaner Arbeit kommt der Chef zu uns und verlangt den Autoschlüssel, ich solle in Ruhe meine Kaffee trinken. Ich reiche ihm die Schlüssel und kann beobachten, wie er unseren Transporter behutsam am Café einparkt und mir den Schlüssel zurückbringt.
Mittlerweile bin ich mit meinem Kaffee fertig und wir inspizieren das Ergebnis der Putzaktion. Stolz präsentieren die drei Autoputzer ihr Werk. Ich bin‘s zufrieden und die drei strahlen, als ich ihnen noch jedem eine Flasche deutsches Bier in die Hand drücke.


bridge over Buna river in Shkodër/ Albania in europe

Weiter geht es über eine abenteuerlich ausschauende Brücke mit groben Holzbelag. LKW und Busse donnern mit Höchstgeschwindigkeit darüber hinweg, dass es nur so kracht. Ich mache wieder einige Fotos und dann biegen wir auf die kleine Straße entlang des Westufers des Sees.
Nette kleine Hotels und Restaurants liegen malerisch verstreut entlang der steilen Ufers. Ab und zu ist eine lauschige Badebucht auszumachen.
Wir fahren bis ganz zum Schluss der Straße, die vor der Grenze nach Montenegro endet. Ein kleines Dorf mit Moschee, eine kleine Mole mit angelnden Kindern und ein paar Fischer, die Ihren Fang aus den Booten laden.


Lake Shkodër / Albania in europe

Dann fahren wir die Straße zurück, halten an einem hübschen Restaurant und verbringen viel Zeit mit Essen, Steine und Schneckenhäuser sammelnd und fotografieren. Danach fahren wir weiter zu einer Badebucht, und planschen in dem warmen Süßwasser. Kleine Fische knabbern an der Haut.
Felix paddelt mit Schwimmärmeln umher und Falk perfektioniert seine Tauchkünste. Doch wir müssen weiter!
Gegen 16.00 Uhr kurven wir kreuz und quer durch Shkodër. Wir sind auf der Suche nach einer offenen Internetverbindung. Falk hat es irgendwie geschafft, dass sich Google Earth nicht mehr offline starten lässt. Ich muss mit meinem Laptop irgendwie ins Netz um das Problem zu beheben. Außerdem brauche ich noch Geld vom Automaten und tanken will ich auch noch.
Beim Tanken wird meine Kreditkarte nicht akzeptiert, obwohl VISA ausgewiesen wird. Ich solle in Euro bezahlen. Doch meine großen Schien will ich nicht anreißen. Für 4000 Leke will der Tankwart 40 Euro haben Leke will er keine. Demonstrativ hohle ich den Taschenrechner und rechne mit dem Kurs von 1 zu 135 und gebe 27 Euro und den Rest von drei Euro in Leke. Er akzeptiert und wir fahren weiter. Gleich nebenan ist ein Internetkaffee. Ich schildere mein Problem, dass ich mit meinem Laptop ins Internet muss und bekomme ihn an das Netzwerk angestöpselt.
Google Earth lässt sich wieder starten und ich fahre die geplanten Routen am Rechner ab, damit das Kartenmaterial wieder in den Speicher geladen wird. Geschafft! Alles funktioniert wieder. Schnell noch meinen gestrigen Blog online gestellt und weiter geht es auf der Suche nach einem Geldautomaten. Am dritten Automaten bekomme ich endlich mein Geld ausgezahlt und wir können Shkodër verlassen. Mit Hilfe des GPS sind wir dann doch recht schnell auf der richtigen Straße und fahren durch die fruchtbaren Ebenen in Richtung Gebirge. Wir überqueren eine große Brücke über einen Fluss der genau unter der Brücke angestaut wird. Ich mache wieder ein paar Fotos auf der Brücke, als ein Bauarbeiter angerannt kommt und mich hektisch darauf aufmerksam macht, dass der Zug im Anmarsch ist. Ich packe schnell mein Stativ zusammen und räume die Gleise. Als ich ins Auto steige, tuckert der Zug rumpelt und schwankend im Schritttempo an uns vorbei. Kinder winken uns aus dem Fenster zu.
Wir verlassen die Ebene und winden uns wieder ins Gebirge entlang des Ufers der riesigen Stauseen. Felix schläft wieder und kurz darauf ist auch Falk eingeschlummert.
Ich fahre die kurvenreiche Strecke, teilweise auf neuem Asphalt, teilweise nur Schotterpiste mit Schlaglöchern und Bodenwellen, dass es ein Wunder ist, dass unser Auto nicht auseinanderfällt. Die Kinder reißt das Rappeln nicht aus dem Schlaf. Kurz vor dem Staudamm von Koman sehe ich das Schild „Villa Fancese“. Dieses Hotel ist im Reiseführer mit Mindeststandart kategorisiert. Als ich vor dem Hotel halte meint Falk, der wieder munter ist, dass das Hotel doch geschlossen ist. Ein älterer Mann kommt auf uns zu und begrüßt uns herzlich. Natürlich könnten wir hier übernachten. Er zeigt mir im hintersten Eck des Hauses unsere Zimmer, welche den Umständen entsprechen ganz vernünftig ausschauen. 20 Euro sollen wir für die Nacht für alle Zahlen.
Ich denke, dass ist ok und wir beziehen unser Zimmer. Essen können wir hier keines bekommen, aber eine Küche können wir benutzen. Ich inspiziere die kleine Küche des Apartments und öffne vorsichtig den Kühlschrank. Muffiger Schimmelgeruch strömt mir entgegen. Der Kühlschrank sieht innen so aus, wie ein zum Leben erweckter Schimmelkäse. Schnell schließe ich den Kühlschrank und inspiziere den Herd. Recht schnell schließe ich die Tür zur Küche, damit das Interieur nicht doch noch zum Leben erweckt wird. Kochen fällt heute also aus.
Unser Schlafzimmer ist recht ordentlich. Das Bettzeug sauber und auch das Bad ist ok. Denkt man sich noch die drei, vier toten Kakerlaken weg, die auf dem Boden verstreut herumliegen kann man das Zimmer akzeptieren.
Ich nehme eine Dusche. Felix schläft seit heute Nachmittag durchgehend. Ich will ihn gar nicht erst wecken.
Es klopft an die Tür und der Hotelwirt reicht uns freundlich einen Teller voller reifer Pfirsiche.
Die Sonne geht golden hinter den Bergen unter, der Stausee vor uns glitzert im Abendlicht. Albizien blühen im Garten vor dem Fenster. Der Tag neigt sich dem Ende. Als Abendessen reicht uns diesmal Weißbrot mit Salami.
Jetzt ist es schon 21.30 Uhr Ortszeit und wir Großen werden uns noch eine DVD reinziehen. Felix wird wohl heute nicht mehr munter werden.
Gute Nacht…

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