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10. Tag- mit der Urweltfähre unterwegs


09. Juli 2010 mit der Urweltfähre unterwegs

Pünktlich früh sechs Uhr weckt mich ein Esel, welcher direkt unter unserem offenen Fenster den Morgen lautstark und heißer begrüßt.
Ich schlafe noch eine halbe Stunde und beginne dann die Sachen zusammenzupacken. Felix wird wie immer zuerst munter und Falk müssen wir zu zweit mit sanfter Gewalt munter machen. Wir räumen unsere sieben Sachen ins Auto, zahlen unseren Obolus von zwanzig Euro an den Hotelwirt und sind pünktlich kurz vor Sieben wieder auf der Piste
Nur ein paar hundert Meter vom Hotel entfernt verläuft eine Brücke über den Fluss, beidseitig befinden sich kleine Bars bzw. Cafés. Ich genehmige mir meinen zur Gewohnheit gewordenen Morgenkaffee und bestelle für Felix eine Limonade, worauf der Wirt uns beiden zwei Kaffee vorsetzt. Ich mache dann doch irgendwie begreiflich, dass ein fast Vierjähriger doch lieber Limonade möchte und erhalte das Gewünschte. Zwei Tassen Kaffee später bin ich fit und mache ein paar Fotos der Brücke, des „Ortes“ Koman und der großen Staumauer. Weiter geht es neben direkt neben der Staumauer in einen Tunnel.
Ein dunkler, grob in den Felsen gehauener Gang, aller ca. fünfzig Meter notdürftig beleuchtet. Felix ist begeistert, während Falk es sich hinten auf unseren Matratzen bequem gemacht hat.
Nach dem Tunnel, der knapp einen halben Kilometer lang ist, stehen wir plötzlich an der Fähranlegestelle. Erst ein Auto steht auf dem Platz. Ich unterhalte mich ein wenig mit dem Tschechen in einem Kauderwelsch aus Englisch, Deutsch, Händen und Füßen. Der Rest seiner Familie wäre noch im „Hotel“ gleich hinter uns. 50 Euro hätte die Nacht gekostet!
Ich mache Frühstück, Nutella auf Weißbrot, wovon Felix zwei große Scheiben sich voller Genuss einverleibt. Falk schläft.
So langsam belebt sich die Fähranlegestelle. Autos, Busse und Laster werden eng auf dem ca. 2000m ² großen Areal geparkt. Es kommt eine kleine Personenfähre, einzelne Boote kommen und gehen. Es gibt viel zu sehen!


Lake Koman Albania in europe

Dann gegen 10.00 Uhr kommt die Autofähre in Sicht. Felix ist schon ganz aufgeregt. Endlich geht es los! LKW quälen sich von der Fähre, suchen sich eine Gasse durch die wartenden Fahrzeuge um sogleich im Tunnel zu verschwinden. Menschen wuseln umher, fliegende Händler bieten Lebensmittel feil. Wir genehmigen uns einen Beutel voll fruchtig, süßer Feigen.
Die ersten Fahrzeuge werden mit lautstarken Rufen und Winken an Bord der Fähre gelotst. Wir Zahlen das Fährgeld von 25 EUR und rangieren rückwärts auf das stählerne Ungetüm von Fähre. Die Fahrzeuge stehen so eng, dass man kaum noch Platz zum Durchlaufen findet. Nachdem alle Fahrzeuge ihren Platz gefunden haben, Falk ist mittlerweile auch munter geworden, wird das Fährschiff erkundet. Wir gehen aufs Oberdeck, holen unsere Decke und machen es uns bequem. Die Kinder lassen sich den warmen Fahrtwind um die Nase wehen und wir genießen die Aussicht auf die vorbeiziehende Berglandschaft. Fjordartig zieht sich der Stausee verwunden und mit vielen Seitenarmen durch die wunderschöne Landschaft.


Koman ferry / Albania in europe

Die Kinder bekommen Hunger und ich zaubere zwischen den Autos auf unserem Gaskocher eine Bohnensuppe, welche ruckzuck verputz wird. Wir genießen die Sonne und irgendwann ist die dreistündige Passage auch schon wieder vorbei.
Gegen 13.30 Uhr erreichen wir die Anlegestelle von Fiereze. Im langen Konvoi zieht sich die Schlange von Lastern, Bussen, neuen Mercedes Benz Limousinen und anderen PKW die staubige Piste entlang.
Wir erreichen Barrijam Curri, einen hässlichen Ort am Fuß der albanischen Alpen.
Zusammen mit Felix erkunden wir einen Straßenmarkt, kaufen eine Melone und Getränke. Dann geht es weiter ins Valbona.Tal.
Die Schotterstrecke wird auf vielen Kilometern verbreitert. Neue Stützwände werden betoniert. Es wird rege gebaut.
Die weit über 2500 Meter hohen Berge umschließen uns und wir fahren im Schritttempo weit in das Tal hinein. Die Ausblicke sind gewaltig. Als wir die Ortschaft Valbona erreichen, erkunde ich die Piste, welche eigentlich nur noch aus einer kaum zu erkennende Fahrspur im breiten Schotterbett des Baches auszumachen ist. Faust- bis kindskopfgroße Steine als Fahrbahn verlangen das letzte von unserem Fahrzeug. Dann beschließe ich, dass wir umkehren und uns einen schönen Platz für die Nacht suchen. Am Ortsausgang von Valbona finden wir einen kleinen Seitenweg inmitten von klaren Bachläufen. Wir richten uns häuslich ein, ich wasche ein Paar Wäschestücke und unsere vom Salzwasser brettharten Handtücher im Bachwasser durch.
Danach mache ich Nudeln mit Tomatensoße. Ein paar Leute kommen vorbei und wir erklären unsere Fahrroute.
Gegen Acht liegen wir schon in unseren Betten.
Felix kränkelt etwas. Er wird sich wohl eine kleine Erkältung zugezogen haben. Er hat etwas Temperatur und schaut auch etwas gläsern. Ich gebe ihm ein Mittel aus unserer reichhaltigen Bordapotheke. Mit Falk schaue ich noch eine DVD, schlafe aber zwischendurch schon ein.
Ich werde durch lautes Poltern aus meinen tiefen Schlaf geschreckt. Für einem Moment denke ich, Felix sei aus dem Bett gefallen. Doch wie es sich herausstellt, ist es Falk. Er muss brechen! Ein Alptraum wird war. Im hohen Bogen verteilt er das Abendessen über Bett und Campingutensilien. Ich hechte nach vorn, den Lichtschalter zu finden. Juche! Das ist der Supergau. Teile der Matratze, Bettwäsche, Klamotten, Töpfe, überall klebt die Brühe.
Ich bugsiere Falk nach draußen, wo er sich noch endgültig leerkotzt. Irgendwie schaffe ich es Ordnung in das Chaos zu bringen. Ich schmeiße die Wäsche vors Auto, ziehe die vollgesudelte Bettwäsche ab und unter Verwendung mehrerer Rollen Zewa ist das schlimmste erst einmal beseitigt. Während ich hier Ordnung mache werfe ich einen Blick in den Sternenhimmel über mir. Irgendwie ist die Situation recht bizarr. Ich wische hier die Kotze zusammen und über uns leuchtet die Milchstraße in einem hellen Band. Traumhaft! Natürlich nur das Letztere 😉
Mittlerweile ist es schon wieder 01.00 Uhr am Morgen während ich noch die Muse finde, den Bericht hier noch schnell in den Rechner zu tippen.
Jetzt aber ist Schluss und hoffentlich verläuft der Rest der Nacht ruhiger.
Gute Nacht.

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