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15. Tag- in den Süden Albaniens


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14.Juli 2010 – In den Süden Albaniens

Wieder heißt es Abschied nehmen. Gegen acht Uhr sind wir aufgestanden, das heißt ich zuerst und etwas später werden die Kinder munter.

Gestern habe ich im Hotel sämtliche alte Wäsche waschen lassen uns jetzt nutze ich die Zeit während die Kinder munter werden, die Koffer neu zu packen und alles neu zu richten. Das Auto bringe ich auf Vordermann und entsorge unsere defekte Autokühltasche, die so richtig nie gekühlt hat und jetzt nach drei Tagen im Inneren ein interessantes Biotop beheimatet.

(Liebe Oma, es tut mir leid, aber das Ding ist Schrott und beendet sein Dasein in einem Container am Ohridsee) 😉

Wir frühstücken noch einmal ordentlich und ich bin erstaunt, wie viel die Kinder heute Morgen reinspachteln. Falk nimmt Abschied von seinem Freund Stefan und wieder sitzen wir in unserem Auto und starten ins Ungewisse. Falk möchte, dass wir heute bis zur Südküste Albaniens durchfahren. Somit liegt schon eine ganz schöne Strecke vor uns (ca. 300km).

Wir fahren zurück nach Ohrid und am nördlichen Seeufer entlang. Wir erreichen die Berge des Westufers, genießen die Aussicht auf dem See und schon sind wir an der mazedonisch/ albanischen Grenze.

Die Formalitäten werden gewissenhaft abgewickelt, ich bekomme eine Schein für unser Auto, dass es ein Camper ist und nach ca. einer viertel Stunde und einer Flasche deutschen Bier zur Beschleunigung der Abfertigung hat uns das Land der Beton-Bunker wieder.

Wenn man von hier am Ohridsee nach Albanien einreist als vom Norden, wie wir es vor ein paar Tagen taten, bietet sich ein gänzlich anderes Bild. Ein Top ausgebaute Straße, moderne Tankstellen und Hotels aller paar Kilometer und nicht ganz so viel Müll in der Gegend. Es macht Spass hier zu fahren, und wir kommen gut voran.

Autowäsche, Restaurants, Hotels reihen sich aneinander. Dorfer voll mit Leben und bunten Märkten. Wir erreichen Elbasan. Ein große Stadt mit katastrophalen Gebäuden aus kommunistischer Zeit, aber auch mit viel neu gebauten, frisch verputz und nett anzuschauen. Dann ein gigantisches Industriegebiet aus alten Zeiten. Der Qualm aus den Schornsteinen erinnert an unsere Industrie vor der Wende.

Die Kinder sind eingeschlafen. Kurz nach Elbasan verlasse ich die Hauptstraße, um quer über die Dörfer zu fahren. Ich bin schließlich hier, um etwas zu sehen. Da in der Pampa die Ortschaften fast nie ein Ortsschild besitzen, und ich mehr oder weniger nach Gefühl und einer ungenauen Karte fahre, dauert es nicht allzu lange, da habe ich mich ein wenig verfranzt.

Einen Polizist der kein Englisch kann, frage ich nach den Weg und mit Händen und Füßen erklärt er mir den Weg. In der Ferne hohe Berge mit einer kleinen Zipfelmütze von Restschnee. Die Straße gleicht nun einer einzigen Baustelle. Bagger graben eine zweite Spur in das lockere Gestein, andere Maschinen glätten die Schotterpiste, Stützmauern werden betoniert und ein paar Kilometer weiter wird schon eine Schwarzdecke aufgezogen. Irgendwie mogelt sich der Verkehr durch das Baustellenchaos. Dann fahren wir auf der neu ausgebauten Straße. Super! Die Straße ist besser als manch neu gebaute bei uns. Zügig kommen wir voran und dann endet abrupt der Straßenausbau. Nun geht es wahrlich über Stock und Stein. Nur in Schrittgeschwindigkeit quälen wir uns von Schlagloch zu Schlagloch. Felix schläft schweißgebadet und Falk stöhnt bei jedem Schlagloch über seinen Sonnenbrand.

Wir erreichen nach endlosem Gekrieche endlich die Stadt Fier.

Von hier geht eine autobahnähnliche Straße. Wir kommen jetzt zügig voran in den Süden. Bis wir nach 35km die große Küstenstadt Vlore erreichen.

Neubau reiht sich an Neubau. Breite Straße, Hotelkomplexe, der Großteil noch im Bau. Die Stadt gleicht einer einzigen Baustelle. Eine ansehnliche Promenade mit Palmen gesäumt. Felix wird munter und will baden. Doch wir müssen weiter in den Süden. Bzw. Falk besteht darauf, durchzufahren, denn er will nicht noch einmal irgendwo zwischenübernachten. Irgendwie nagt an ihm nach zwei Wochen das Heimweh zur Mama.

Leider endet in Vlore die Autobahn und mitsamt dem Hauptverkehr für den Süden des Landes quälen wir uns die enge, schlaglochreiche Straße entlang. Schwer beladene LKW reihen sich an Busse, PKWs versuchen in riskanten Überholmanövern schneller voranzukommen, nur um nach wenigen Metern wieder hinter einem LKW zu kleben. Stellenweise fahren wir nur mit 20kmh!

Das Bild der Landschaft wandelt sich, je weiter wir in den Süden des Landes kommen.

An den Berghängen reihen sich alte Olivenbäume, am Straßenrand stehen Eukalyptusbäume unterbrochen von blühenden Oleander.

Nach der schön anzuschauenden Bucht von Orikum windet sich die Straße wieder in engen Serpentinen den Llogara Pass auf über tausend Meter Seehöhe hinauf. Der Blick zurück in die Meeresbucht und auf die Halbinsel Karaburun ist phantastisch.

Dichter Pinienwald, hinter jeder Kurve Honigverkäufer, kleine Restaurants. Eine schöne Strecke. Nach der Bewältigung des Passes verschlägt der sich nun darbietende Blick auf die tief unter uns liegende Südküste der albanischen Rivera fast den Atem. In weiten Bögen schlängelt sich die neu ausgebaute Straße hinab in die Tiefe. An der Küste kleine Orte, Badebuchten gleichen kleinen silbernen Sicheln, hohe Berge im Hinterland.

Wir biegen zum ersten Strand in Dhermi von der Hauptstraße ab. Ein wunderschöner langer Kiesstrand, ein paar Restaurants und ein paar kleinere Hotels. Ganz am Südende der Strandstraße ein kleines Restaurant und ein paar ganz nette Holzhütten zum vermieten. Doch leider ist alles belegt.

Ich frage in einem kleinen Hotel nach. Ein Zimmer wäre noch frei. Für 45 Euro gleich im Erdgeschoß mit Blick in den dunklen Hinterhof lassen mich dankend ablehnen. Die Sonne steht schon tief über dem Meer und wir schlängeln uns die Küstenstraße weiter auf der Suche nach einem schönen Hotel. Campen will Falk nicht mehr. Schade eigentlich, denn ein paar schöne Buchten entlang der Strecke laden förmlich zum campen ein. Wieder biegen wir von der Küstenstraße hinab zu einer Bucht namens Livadhi, welche ich in keiner Karte verzeichnet finde. Vorbei an einem verfallenen Hotel, ein paar neu gebaute Häuser mit Zimmervermietung, ein paar Restaurants liegen verstreut am wunderschönen Kiesstrand.Ich brauche eine Dusche und bin müde. Ich frage in einem Restaurant nach einem Zimmer. 22 Euro soll es kosten. Wir können es aber nur für eine Nacht buchen, da für morgen alles schon vorreserviert ist.

Ein junger Mann sprintet zum Strand, um bei jemanden den Schlüssel zu besorgen. Ein kleiner Junge kommt vom Stand mit einem Schlüssel und deutet mir, ihm zu folgen. Er zeigt mir in einem der Gebäude ein kleines Apartment mit zwei Schlafzimmer, Küche und ordentlichem Bad. Ich denke, dass das Apartment unseren Ansprüchen für diese Nacht genügen wird und gehe zurück zu den Kindern, welche im Auto derweil gewartet haben. Jetzt kommt der Junge man von soeben und bedeutet mir ebenfalls ihm zu folgen. Wieder wird mir ein kleines Apartment, diesmal in einem anderen Gebäude gezeigt. Der kleine Kerl von eben war also ein Trittbrettfahrer 😉

Ich nehme die mir nun offerierte Wohnung und wohlgelaunt ziehen wir ein.

Die Kinder kann ich kaum halten und sie stürmen die paar Meter zum Strand. Das Wasser ist klar, blau und warm. Felix paddelt mit seinen Schwimmärmeln in der leichten Dünung und Falk schnorchelt jedem Fisch hinterher.

Die Sonne geht in einem Feuerwerk von Farben unter, die schmale Mondsichel wird von der hellen Venus begleitet. Wir warten bin es dunkel wird, denn Felix will die Sterne sehen. Ich genieße den Abend mit den Kindern, obwohl Falk schon wieder so still und gedankenversunken wirkt.

Heimweh? Frage ich. Er nickt und huschelt sich an mich heran. Felix folgt eifersüchtig und beide Jungs im Arm sitzen wir unter dem Sternenhimmel in dem warmen Kies und lauschen der schwachen Brandung. Felix läuft noch einmal ins Wasser, bis seine Hosen nass sind.

Frisch umgezogen sitzen wir kurze Zeit später im Restaurant unseres Vermieters. Wir sind die einzigen Gäste, welche zu Abendessen. Falk und ich essen frischen gebratenen Meeresfisch und Felix ein Omelett.

Zum Ausklang des Abends gibt es ausnahmsweise noch eine DVD während der wir einschlafen….

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