skyimages.de Photography by Stephan Messner

17. Tag – Butrint


Größere Kartenansicht

16.Juli 2010 – Ausflug nach Butrint

Pünktlich um sechs klingelt wie jeden Tag mein Wecker. Ich drehe mich noch einmal rum und träume wirres Zeug aus denen mich ein Backer reißt, der direkt neben unserem Hotel einen Schwarzbau unter ohrenbetäubenden Lärm abreißt. Die Kinder werden ebenfalls munter.

Die Kinder essen ordentlich zum Frühstück und kurz vor 10.00 Uhr mieten wir uns ein Tretboot, mit welchem wir die vorgelagerten Inseln der Bucht erkunden wollen. Das Meer in seinem kristallklaren Blau, kleine grüne Inselchen, weiße Strandbuchten, einen gewissen karibischen Flair kann man dieser Szenerie nicht absprechen. Fast siebenhundert Meter gondeln wir über die ruhige See zu einer schönen Doppelinsel, welche durch eine weiße Kiesbank untereinander verbunden ist. Ein altes Segelschiff ankert davor. Felix ist überzeugt, gleich Piraten zu sehen. Gleich der Schatzinsel erobern wir das Doppeleiland, baden, schnorcheln, toben umher.

Falk ist begeistert von den vielen Fischen, welche sich an dem Felsufer zahlreich und stellenweise in großen Schwärmen tummeln. Auch ich schnorchle, Felix paddelt mit Schwimmärmeln auf dem Rücken durch die maritime Landschaft. Felix ist eine richtige Wasserratte geworden. Ohne Hemmungen schwimmt er im tiefen Wasser und strahlt dabei wie ein kleiner König. Nach einer Stunde Robinsonade strampeln wir wieder zurück. Falk beweist seinen Mut, indem er vom Boot ins offene, tiefe Meer springt, wobei es Felix ihm am liebsten nachmachen würde und ich Mühe habe, ihn zurückzuhalten.

Gegen Mittag landen wir wieder an unserem Hotelstrand wohlbehalten an und dabei fällt mir doch mein GPS-Tracker, den ich immer mit mir führe, ins Wasser.

Jetzt zum Mittag, liegen wir frisch geduscht in unseren Betten im klimatisierten Zimmer. (Soweit es sich klimatisieren lässt, wie ich am Abend noch feststellen werde)

Den GPS-Tracker bekomme ich nicht mehr zum laufen 🙁

Draußen ist es schwülwarm und kaum auszuhalten. Ich tippe den Bericht, während Falk und Felix griechisches Sportfernsehen schauen. Ich schwitze trotz Klimaanlage, obwohl ich nur mit Unterhose hier im Zimmer sitze. Ich gehe jetzt noch einmal duschen.

Nach der Mittagsruhe möchte ich den Kindern etwas Historie beibringen. In nur 10 km Entfernung befindet sich die antike Stadt Butrint, welche Ruinen aus griechischer, römischer, byzantinischer und venezianischer Zeit aufweist. Bei schätzungsweise fast 40°C und schwüler Luft hält sich das Interesse der Kinder natürlich arg in Grenzen. Felix brüllt andauernd: „Mir ist so heiß!“ und Falks Äußerungen beschränken sich auf: „Scheiß Steine! Wen interessiert so was? Da ist ja ein Haufen Scheiße interessanter!“

Ich gebe ja zu, dass auch mir trotz Schatten spendender Bäume der Schweiß kaskadenartig vom Gesicht rinnt und ich Mühe habe, mein Interesse an der Ausgrabungsstätte aufrecht zu erhalten.

Es gibt recht viel zu sehen. Ein schönes Theater, eine Badeanstalt, viele Grundmauern, ein mächtige Stadtmauer, ein Baptisterium, ein byzantinischer Wehrturm. Alles recht interessant und die Anlage ist auch ordentlich mit Erklärungstafeln ausgestattet. Auf Rücksicht der doch sehr nörgelnden Kinder, die Aussprüche wiederholen sich wie bei einer gesprungenen Schallplatte, halten wir uns nicht länger als Nötig auf.


archeological site Butrint/ Albania in greece


archeological site Butrint/ Albania in greece


archeological site Butrint/ Albania in greece

Gleich neben der Ruinenstadt verläuft der antike Kanal in die große Lagune. Falk ist nicht länger zu halten und stürzt sich in den salzigen Kanal. Während er im „kühlen“ Nass herumschwimmt, beobachte ich das Treiben der ebenfalls als „antik“ zu bezeichnenden Autofähre über den Kanal. Ein Gebilde aus vier Blechpontons, irgendwie miteinander verbunden, als Plattform ein paar Bretter, wahrscheinlich aus der spätrömischen Periode, und fertig ist die Fähre.

Mit Stahltrossen wird sie über den Kanal hin- und her gezogen. Und befördert die Autos wohlbehalten auf die andere Seite. Auf der anderen Uferseite thront eine byzantinische Festung. Alles recht interessant, wenn nur diese Hitze nicht wäre!

Gegen 16.00 Uhr freuen sich die Kinder, als wir wieder unsere kleine Badebucht am Hotel besuchen. Felix mit seinen Schwimmärmeln paddelt fast eine Stunde im warmen Wasser und Falk versucht sich ausdauernd im Kraulen.

Die Sonne senkt sich langsam dem Horizont entgegen, um bald ins Meer zu versinken. Bald geht das kitschige Farbenspiel sicher wieder los. Ich habe mir heute Nachmittag schon eine Stelle ausgesucht, von der aus ich die Stadt und die Meeresbuchten fotografieren kann. Da werde ich zur „Freude“ meiner Jungs mich mal ans Packen meiner Kameratasche machen 🙂

Falk bleibt auf unserm Zimmer und mit Felix fahre ich eine stark ausgewaschene Piste auf einem Berg. Die Sonne steht schon tief und wirft lange, kontrastreiche Schatten in die Landschaft. Mit dem Teleobjektiv versuche ich den Blick über Ksamil, die Meeresbuchten und in der Ferne das Häusermeer von Saranda als Panorama aufzunehmen. Felix hört sich derweil im Auto eine CD an.

Als die Sonne wieder intensiven Farbenrausch bekommt sitze ich mit den Kindern am Ufer in einem kleinen Restaurant beim Abendessen. Fasziniert schauen wir der untergehenden Sonne zu, die Blutrot dem Meer entgegenstrebt. Die Berge von Korfu wirken wie mit Pastell gemalt. Im Dunst der Atmosphäre durchläuft die Sonnenscheibe interessante Formveränderungen. Sie wird gestaucht, gequetscht, zerfließt in Tropfen und versinkt endgültig im Meer. Die Kinder sind ganz begeistert. Gleich darauf machen wir uns auf die Suche nach der Venus, die am Abendhimmel strahlt.

Felix isst etwas von seinen Spagetti, Falk etwas Salat und ich kämpfe mit dem Rest unserer Bestellung. Oktopus, Salat, gebratene Paprika, Brot.

Die Kinder gehen freiwillig auf ihr Zimmer. Sie sind müde und wollen ins Bett. Ich genieße noch die abendliche Stimmung am Meer, als Felix noch einmal im Schlüpfer zu mir an den Strand gerannt kommt. Er grinst mich an, er könne nicht einschlafen.

Mit dem kleinen Kerl auf dem Arm gehe ich aufs Zimmer und kämpfe wieder mit der Klimaanlage. Das Ding hat irgendwie eine Macke. Bei den derzeit herrschenden Temperaturen von fast vierzig Grad mit extremer Luftfeuchte ist es ohne die Klimaanlage nicht auszuhalten und an Schlaf gar nicht zu denken. Ich gebe dem Chef des Hauses Bescheid und kurz darauf kämpfen zwei Männer in unserem Zimmer mit der tückischen Klimaanlage und schauen sich ratlos an. Sie vermuten, dass die Klimaanlage sich durch die extremen Stromschwankungen immer wieder selbst ausschaltet.

Eine Lösung mit der Klimaanlage kann leider nicht gefunden werden. So dass ich das Ding alle fünf Minuten neu starten muss. Ohne ist es nicht auszuhalten. Und dann, gegen Mitternacht verrichtet das störrische Ding doch auf einmal tadellos seinen Dienst. Scheinbar hat sich das Stromnetz in der Nacht stabilisiert.

Nach Mitternacht muss ich noch einmal ins Auto, weil meine Ohrenschmerzen doch etwas belastend werden. Ich hole mir ein Päckchen Schmerztabletten. Derartig betäubt schlafe ich schließlich ein.

<-zurück oder weiter->

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: