skyimages.de Photography by Stephan Messner

11. Januar 2002 – Ankunft auf Hakos


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1. Tag

Von München aus ging es mit der LTU nonstop nach Namibia und wir Landeten pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Internationalen Flughafen von Windhoek. Es dauerte natürlich seine Zeit, bis unsere Reisegruppe alle Gepäckstücke und Kisten in Empfang nehmen  und unbehelligt durch den namibianischen Zoll gelangen konnte.

Gegen 8.30 Uhr kamen wir in der Stadt Windhoek an und mussten uns noch mit Lebensmitteln und diversen Kleinigkeiten eindecken. Überrascht war ich über das vielfältige Angebot, welches in keiner Weise dem europäischen Bedürfnissen nachstand. Selbst einen Mercedeshändler haben wir gesehen, wo in einem Land fast ohne Teerstraßen ein Mercedes 600SEL feilgeboten wird.

Gegen Mittag ging es dann endlich los in Richtung unserer Gästefarm. Die geteerte Straße verwandelte sich schon wenige Kilometer außerhalb der Stadt in eine breite Schotterpiste. Die Gegend war recht gebirgig und die Vegetation war geprägt von Akazien und anderem dornigem Gestrüpp. Der dunkelblaue Himmel überspannte eine ockerfarbene Landschaft. Unserer Route führte uns über 140km nach Südwesten.

Unterwegs bekam ich einen ersten Eindruck über die Fauna dieser Gegend. Perlhühner pickten am Straßenrand und auch der Anblick der Springböcke ließ nicht lange auf sich warten. Wobei die Herden oft die Zahl von hundert Tieren überstieg. Auch eine Horde Paviane kreuzte die Straße.

Cirka 40 km vor unserem Ziel bogen wir von der Straße ab, um uns die Teleskope des noch im Bau befindlichen Hess-Projektes anzuschauen. Natürlich war es für uns Astronomiebegeisterte ein Muss, uns den Fortschritt der Arbeiten anzusehen und so bogen wir für einen kurzen Abstecher auf den Zufahrtsweg zur Baustelle ein.

Schon nach kurzer Fahrt auf der Piste leuchteten uns die roten Stahlgestelle der Teleskope entgegen. Dann standen wir vor der beeindruckenden Anlage. Eine solide Zaunanlage mit Stacheldraht und Stromleitungen flößte Respekt ein. Doch zu unserer Freude, war ein einheimischer Mitarbeiter sofort bereit, uns das Tor aufzuschließen, so dass wir die Anlage genau unter die Lupe nehmen konnten.

 

Vier Großteleskope wurden zur Zeit montiert. Die Stahlgestelle schienen fertig montiert zu sein, und einige waren schon mit Spiegeln belegt. Ich als Stahlbauer schaute mir natürlich die Konstruktion genau an. Man weiß ja nie, vielleicht baue ich mir mal so was ähnliches in meinen Garten 😉

Besonders interessant wirkte die Anordnung der unzähligen einzelnen Spiegel, in denen sich noch völlig chaotisch die umgebende Landschaft widerspiegelte. Das Rot der Stahlkonstruktionen, der blaue Himmel und die ockerfarbene Landschaft ließen meiner Kamera keine Verschnaufpause und so war ich doch recht froh, genügend Filme mitgenommen zu haben.

Nach dieser kurzen Besichtigug der Anlage ging es wieder weiter. Auf der letzten Etappe der Schotterpiste stolzierten einige Strauße die Straße entlang. In der Ferne konnte ich das Markenzeichen dieser Gegend erkennen. Der Gamsberg!

Der Gamsberg

Der Gamsberg

Nun bogen wir von der Straße ab zu unserer Gästefarm „Hakos“. Dort wurden wir freundlich vom Besitzer Walter Straube, seiner Tochter und dem jetzigen Schwiegersohn empfangen.

Das Gepäck wurde ausgeladen und aufs Zimmer geschafft. Nach einer ausgiebigen Dusche waren die Lebensgeister wieder geweckt und Sarah, eine kräftig gebaute Küchenfee von Stamm der Ovambo präsentierte uns ein hervorragendes Mittagessen. Würziger Springbock mit Bratkartoffeln schmeckten vorzüglich.

Astrofarm Hakos (Januar 2002)

Astrofarm Hakos
(Januar 2002)

Bevor ich mir allerdings die Gebäude der Sternwarte näher anschauen wollte, war es aber erst einmal dringend notwendig, einen Mittagsschlaf zu halten.

Es war schon später Nachmittag als ich erwachte und nun hatte ich es eilig, mir die Anlage der IAS e.V. anzuschauen.

Die Mitglieder des Vereins haben die vom Farmer zur Verfügung gestellten alten Stallungen zu einer großzügigen Anlage umgebaut. Diese befindet sich ca. 300m vom Hauptanwesen der Farm entfernt. Das Hauptgebäude besteht aus zwei Beobachtungsräumen, wovon ein Raum eine massive deutsche Montierung unter einem 20m² großem Schiebedach verbirgt. Auf der nach dem Erbauer genannten „Liebschner“-Montierung war ein C14 montiert und eine großzügig dimensionierte Aluplatte bot nahezu unbegrenzten Spielraum zur Befestigung eigener Geräte und Fotoapparate. Der zweite Beobachtungsraum – noch ohne Dach – ist vorgesehen für die 40cm Bath-Astrokamera, welche mittlerweile im Sommer diesen Jahres ihren Probebetrieb erfolgreich in Namibia absolvierte.

IAS-Sternwarte auf Hakos (Januar 2002)

IAS-Sternwarte auf Hakos
(Januar 2002)

Weiter befindet sich in dem Gebäude ein Laborraum für Fotoarbeiten und ein Elektroraum. Die Stromversorgung erfolgt fast ausschließlich über Solarkollektoren und für Baumaßnahmen steht ein Benzingenerator zur Verfügung. Eine Werkstatt ist ebenso vorhanden und gut ausgerüstet.

Computerraum der IAS-Sternwarte auf Hakos (Januar 2002)

Computerraum der IAS-Sternwarte auf Hakos
(Januar 2002)

Ich baute voller Erwartung meine CCD-Kamera an das Teleskop, richtete den Laptop her und konnte die Dämmerung kaum noch erwarten. Doch erst einmal ging es zum Abendessen, welches wieder hervorragend mundete. Während des Essens genossen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang verbunden mit einem unbeschreiblichen Farbenspiel der gebirgigen Landschaft, dessen höchste Erhebung, der Gamsberg, durch seine markante Form als Tafelberg sofort ins Auge sticht.

Monduntergang auf Hakos (Januar 2002)

Monduntergang auf Hakos
(Januar 2002)

Nun hielt mich nichts mehr. Ich musste raus unter freien Himmel! Ich ging vor die Tür und war erst einmal überrascht von der Dunkelheit der mondlosen Nacht. Nur ein winziges Lämpchen hing am Eingang zur Farm und versuchte vergeblich so etwas wie Lichtverschmutzung zu verursachen. Ich hob den Kopf und meine noch in keiner Weise der Dunkelheit angepassten Augen versuchten, sich am Himmel zurechtzufinden. Zwei helle Wattebäusche in Richtung Süden konnten nur die berühmten Magellanschen Wolken sein! Ein Blick in den Zenit zeigte mir bekannte Gestalten in bisher nie gesehener Brillanz. Der Himmelsjäger Orion hatte sein Jagdrevier weit über unsere Köpfe verlegt. Lepus der Hase, Canis Major im Zenit und der Fluss Eridanus zeigte seine ganze Ausdehnung bis weit in den Süden.

Mittlerweile hatten sich meine Augen der Dunkelheit angepasst und ich erkannte das wahre Ausmaß der winterlichen Milchstraße. Klar strukturiert zog das leuchtende Band am Sternbild Canis Major vorbei, um dann sogleich in mir noch völlig unbekannten Sternengebieten dessen Herrlichkeit erforschen zu lassen. Erst am anderen Morgen verrät mir der Blick in den „Atlas für Sternenbeobachter“ kurz Karkoschka genannt, die Namen der mir noch unbekannten Gebiete. Vela, Carina, Kreuz des Südens

Mittlerweile kam ich an der Sternwarte an, ohne dass ich mir als „Hans-guck-in-die-Luft“ den Hals gebrochen hatte. Ich öffnete das Schiebedach und machte den Fehler, den man doch immer wieder so gern begeht: Ich wollte soviel wie möglich auf einmal machen!

Das C14 an der Liebscher Montierung

Das C14 an der Liebscher Montierung

Die CCD-Kamera richtete ich erst einmal mit dem 135mm Pentacon Objektiv auf die Große und die Kleine Magellansche Wolke. Irgendwie sah es doch witzig aus: Die große massive Montierung und was hängt dran? Ein kleines 135mm Objektiv. Irgendwie verging die Zeit sehr schnell und die Uhr zeigte schon 3.oo Uhr früh.

Große Magelansche Wolke (135mm +St8e)

Große Magelansche Wolke
(135mm +St8e)

Kleine Magelansche Wolke (135mm + st8e)

Kleine Magelansche Wolke
(135mm + st8e)

So machte ich mich auf den Weg in unser Zimmer, das ich mir mit Wolf-Peter teilte. Schon aus einiger Entfernung hörte ich das Dilemma. Wolf-Peter sägte im monotonen Klang die letzten dürren Akazien der Umgebung nieder. Auch wenn ich noch so müde war, aber bei so einer Geräuschkulisse war an Schlaf nicht zu denken. Also schnappte ich mir meinen Schlafsack und marschierte wieder zurück in die Sternwarte.

Ich machte es mir neben dem Teleskop auf dem Holzfußboden so bequem wie möglich.

Das Blechdach der Sternwarte schepperte zwar etwas im Wind und auch das Getrampel der Zebras schreckte mich am Anfang noch auf, aber dann schlief ich doch recht schnell ein.

 

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