skyimages.de Photography by Stephan Messner

13. Januar 2013 – Auf dem Gamsberg

13.01.2002


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Nach dem Frühstück beschloss ich den Arbeitstag etwas ruhiger anzugehen und nahm das Angebot von Walter dankend an, mir die Farm näher anzusehen. Wir fuhren mit einem Jeep (der den Namen wirklich verdient) cirka 10km in die Savanne, wo ich einige Rinder der Farm zu Gesicht bekam. Immer wieder machte mich Walter auf Paviane, Zebras und Antilopen aufmerksam, welche hervorragend an die graubraune Landschaft angepasst waren und somit nicht immer gleich zu entdecken waren. An einem Wasserloch reparierte Walter eine Wasserpumpe, die sicher schon zu Kaisers Zeiten ihren Dienst zuverlässig versehen hatte. Nachdem wir zurück waren, bohrte ich mit dem Bohrhammer noch ein Loch in die Ziegelwand der Sternwarte, um dort die Kurbel für den Kettenradantrieb zu befestigen.

Nach dem Mittagessen hieß es erst einmal Tasche packen. Wir wollten auf den Gamsberg, zu unserer zukünftigen Außensternwarte. Neben einem Schlafsack, Wechselklamotten und Fotoausrüstung mussten auch noch die gesamte Verpflegung und pro Nase fünf Liter Wasser mitgenommen werden.

Auf zum Gamsberg (Januar 2002)

Auf zum Gamsberg
(Januar 2002)

unser Astrogepäck für den Gamsberg (Januar 2002)

unser Astrogepäck für den Gamsberg
(Januar 2002)

Wir fuhren mit dem Bus ca. 20km durch eine herrliche aride Landschaft und erreichten den Fuß des Berges. Die Zufahrt auf den Berg ist durch eine Tor gesperrt und so hieß es den Rest des Weges per Pedes zurückzulegen. Die felsige Zufahrt ist in engen Serpentinen förmlich in den Fels geschnitten und die doch noch recht kräftige Abendsonne machte den Aufstieg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Während des Aufstieges erschloss sich uns ein grandioser Blick weit in das uns umgebende Hochland. Der dunkelblaue Himmel traf erst in über 100km Entfernung mit dem Horizont zusammen. Eine unheimliche Weite wirkte auf uns Mitteleuropäer ein.

Eingangstor zum Gamsberg (Januar 2002)

Eingangstor zum Gamsberg
(Januar 2002)

Materialtransport zum Gamsberg (Januar 2002)

Materialtransport zum Gamsberg
(Januar 2002)

Der Gamsberg wird bestiegen (Januar 2002)

Der Gamsberg wird bestiegen
(Januar 2002)

Obwohl ich der Jüngste der Truppe war, muss ich zugeben, dass ich so untrainiert doch recht schnaufend das Plateau des Berges erreichte.

Blick vom Gamsberg (Januar 2002)

Blick vom Gamsberg
(Januar 2002)

Der Gipfel des Berges ist wie planiert und hat eine Ausdehnung von fast 3km². Kaum hatten wir das Plateau betreten, schon war von der umliegenden Landschaft nichts mehr zu sehen. Nur noch die Ebene breitete sich vor unseren Augen aus, um am Rand ins Nichts zu verschwinden. Alles ist übersäht ist mit fußballgroßen Felsbrocken und Büscheln vertrockneten Grases. Rundgewaschener Kies zeugt von Flusslandschaften, die vor Jahrmillionen diese Gegen formten.

Die Hütten, welche die Max-Plank-Gesellschaft in den frühen siebziger Jahren in Fertigteilbauweise errichtete und dem Verein nun überlassen hatte, befinden sich in der Mitte des Plateaus in einer leichten Senke. Die dreißig Jahre seit der Errichtung der Gebäude sind auch nicht spurlos an der Bausubstanz vorüber gegangen und auch ungebetene Untermieter in Form von Mäusen und anderen Kleingetier vollbringen ununterbrochen ein zerstörerisches Werk.

Die Anlage besteht aus zwei Wohnhäusern, einer Toilettenanlage, einem Generatorhaus, einer Werkstatt und zwei massiv gemauerten Sternwartengebäuden mit Schiebedach.

Ich beschloss sofort, nachdem ich einige Feldbetten in der Werksatt gesichtet hatte, in einer der Schiebedachhütten zu übernachten. Doch dort musste ich erst einmal eine Unmenge von Mäusedreck zusammenkehren. Nachdem die Hütte besenrein war, stellte ich mir ein Feldbett hinein und betrachtete die alten Gerätschaften und Schränke, die den Charme der 70er Jahre versprühten.

Die Gebäude auf dem Gamsberg (Januar 2002)

Die Gebäude auf dem Gamsberg
(Januar 2002)

Abenddämmerung auf dem Gamsberg (Januar 2002)

Abenddämmerung auf dem Gamsberg
(Januar 2002)

Eine Nacht auf dem Gamsberg (Januar 2002)

Eine Nacht auf dem Gamsberg
(Januar 2002)

Unser Abendessen bestand aus einem Tomatensalat, dessen spärliche Zutaten durch die fachmännische Zugabe von Unmengen an frischen Knoblauch kaum ins Gewicht fielen. Kekse, eine Büchse kalte Bohnen und getrocknetes Antilopenfleisch rundeten das Mal vorzüglich ab. Dazu reichte uns der Chefkoch ein wohl temperiertes Mineralwasser.

Die sternenklare Nacht in 2300 Metern Höhe ließen mir keine Ruhe und so fotografierte ich aus Mangel an einer Montierung mit der feststehenden Kamera. Einige Sternspuraufnahmen vom Südhimmel haben auch was faszinierendes. Doch schon gegen 21.30 Uhr überkam mich die Müdigkeit und ich zog mich in meine Unterkunft zurück. Ich stellte das Feldbett auf und öffnete das Schiebedach.

Kann es für einen Amateurastronomen einen schöneren Schlafplatz geben, als mitten auf dem Gamsberg zu liegen und über einem nichts als Himmel und Sterne. Um die Stimmung noch völlig in Richtung Kitsch abgleiten zu lassen zog ein extrem langsamer Meteor mit einem 90° langen Schweif über den Himmel und hinterlies eine noch mehrere Sekunden nachglühende Spur – Schön! Und schwups, war ich eingeschlafen.

Ich wurde etwas unsanft geweckt, als die Bespannung des Feldbettes mir mitteilte, dass nach dreißig Jahren die Nähte in Auflösung begriffen waren und ich den Halt verlor und erst auf dem harten Fußboden wieder zu liegen kam.

Na prima! Mitten in der Nacht stand ich mit einem Schlafsack und einem zerrissenem Feldbett auf dem Betonfußboden. Notdürftig knotete ich mir aus einem Handtuch, einer Trainingshose und sonstigem Stoff eine Art Bespannung in das Stahlgestell und legte mich vorsichtig mit dem Schlafsack darauf.

Kaum wagend, mich zu bewegen überstand ich die Nacht, und wachte mit schmerzenden Gliedern auf, als Wolf-Peter, unser Chefkoch, schon zu Frühstück rief.

Sternenhimmel über dem Gamsberg (Januar 2002)

Sternenhimmel über dem Gamsberg
(Januar 2002)

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