skyimages.de Photography by Stephan Messner

15. Januar 2002 – eine Drehbank wird gekauft

15.01.2001

Ich musste schon 6.30 Uhr aufstehen, da wir nach Windhoek zum Einkaufen fahren wollten. Gegen 8.00 Uhr fuhren Wolf-Peter, Rainer und ich los und nahmen gleich noch zwei Eingeborenenkinder mit, die auf dem Weg in die 20km entfernte Schule auf der Farm Weißenfels waren. Ich fand den Namen der Farm besonders amüsant, da ich in Weißenfels geboren wurde, allerdings in Sachsen-Anhalt. Unterwegs dienten wir noch als Sammeltaxi und nahmen ein Man und eine Frau der Damaraleute mit. Fein rausgeputzt wollten diese auch in die Hauptstadt.

Windhoek mit seinen ca. 200.000 Einwohnern unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einer mitteleuropäischen Stadt. Moderne Architektur, Supermärkte, Einkaufpassagen sowie große Industriegebiete lassen keinen Konsumwunsch unerfüllt. Das allerdings die Mehrzahl der Käufer Weise sind, steht auf der anderen Seite der Medaille. Im Menschelgewimmel sind die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen des Landes wiederzufinden. Allein elf einheimische Ethnien bilden ein vielfältiges Gemisch aus Größe, Hautfarbe und Statur. Selbst europäischen Ohren fallen die vielen Sprachen der einzelnen Volksgruppen auf. Wir begnügten uns mit englisch und sind auch ganz froh, selbst mit deutsch oft unserem Ziel nahe zu kommen.

Ganz oben auf meiner Einkaufsliste stand ein vernünftiges Feldbett. Noch einmal wollte ich mir die Nacht auf dem Gamsberg nicht versauen. In einem gut sortierten Outdoorgeschäft (Cymot)wurde ich auch schnell fündig und wir arbeiteten den Rest der Einkaufliste ab. Schrauben, Werkzeug, Schweißzange, Wasser, Nudeln, ein paar Stangen Stahlrohr, alles wurde gefunden. Und dann stand sie vor uns… die ideale Drehbank! Kompakt und doch mit hoher Spitzenhöhe, Fräseinrichtung, Leit- und Zugspindel, alles war dran. Das Traumteil für sämtliche Dreharbeiten, die auf eine Sternwarte anfallen werden. Wir blickten uns gegenseitig an und da der Preis deutlich unter den deutschen Verhältnissen lag, gab jeder einen Teil in den Spendentopf. Kurz darauf wuchteten wir unseren neu erstandenen Schatz in den VW-Bus. Voller Stolz, wie drei Lausbuben, welche einen Piratenschatz gehoben hatten fuhren wir gut gelaunt in Richtung Farm.

Das Staunen auf der Farm war groß, als wir unser neu erstandenes Maschinchen vorzeigten. Nach dem Abendessen stand der Komet Linear C2000 WM1 auf dem Bobachtungsprogramm. Wolf-Peter benötigte mit seinen 20×100 Miyauchi nur kurze Zeit und der Komet wurde knapp über dem Südwesthorizont lokalisiert. Ich hatte die CCD-Kamera bereit und versuchte mit dem 135mm Photoobjektiv den Kometen zu finden. Mehr oder weniger zufällig hatte ich den Komet schließlich eingefangen. Ich stellte die Daten für eine Serie ein und belichtete jede Minute ein Bild. Schön war zu beobachten, wie der Komet sich immer mehr dem Horizont näherte. Die Luft war sehr klar. Wir staunten nicht schlecht, als nach dreißig Minuten der Kometenkern hinter der Gebirgskette verschwand, und der Schweif des Kometen immer noch sichtbar war. Pünktlich zum Untergang huschte auch noch ein Meteor durch des Gesichtsfeld.

Komet Linear WM1 am 15. Januar 2001 auf Hakos

Komet Linear WM1 am 15. Januar 2001 auf Hakos

Als ich nun die Montierung auf den Osthimmel schwenken wollte, geschah es. Die Kabel der Stromzuführung der CCD-Kamera waren mit Krokodilklemmen an jeweils zwei Gewindespindeln angeklemmt, die mit 12V aus den Akkus versorgt wurden. Das Kabel verfing sich in der Montierung und schwupp, zog es die Krokodilklemmen ab. Ich dachte mir noch nichts schlimmes und stellte die CCD-Kamera wieder an. Etwas stutzig machte es mich, als ich im Steuerprogramm die volle CCD-Aulösung von 1530 x 1020 Pixel einstellen wollte. Aber das Programm weigerte sich hartnäckig, diese Werte anzunehmen. Bei 765 x 510 Pixel war Schluss. Mit einem merkwürdigen flauen Gefühl in der Magengegend versuchte ich ein Bild aufzunehmen. Ich staunte nicht schlecht, als mir nur ein Viertel des Chips Ausgelesen wurden. 765 x 510 Pixel. Der Rest der Daten blieben in der Kamera verborgen. Ich versuchte es noch einmal mit einem Neustart, wechselte den Laptop, spielte ein anderes Computerprogramm auf. Nichts half. Immer wurde die Kamera nur mit 765 x 510 Pixel akzeptiert.

Die mitgereisten Astrofreunde , welche die letzten Nächte mit einem C11 bzw. Wolf-Peters Miyauchi beobachteten, zögerten nicht lange und überredeten mich, doch mit dem C14 visuell zu beobachten. Ich sollte es nicht bereuen! Ich bin kein visueller Beobachter, aber was sich mir hier darbot, überstieg meine kühnsten Erwartungen:

NGC 4945: die noch tief am Osthimmel stehende Galaxie erinnert in ihrer Form an ein Pantoffeltierchen. Staubbänder und eine schwache Nachbargalaxie sind auszumachen

Galaxie NGC 4945 (Aufnahme von 2009)

Galaxie NGC 4945
(Aufnahme von 2009)

Omega Centauri: mit dem 60mm Okular steht der komplett aufgelöste Star unter den Kugelsternhaufen in seiner gesamten Pracht. Die Sterne leuchten in verschiedenen Farben. Mit dem 8.8mm Weitwinkelokular scheint man den Kugelhaufen förmlich zu durchdringen. Das Zentrum des Haufen besteht aus einem Netz aus Sternenketten.

Kugelsternhaufen Omega Centauri (Aufnahme von 2009)

Kugelsternhaufen Omega Centauri
(Aufnahme von 2009)

Centaurus A: diese berühmte Radiogalaxie zeigt einen sehr hellen Kern der durch ein schön strukturiertes Staubband geteilt wird.

Galaxie Centaurus A (Aufnahme von 2009)

Galaxie Centaurus A
(Aufnahme von 2009)

Schatzkästlein: ein schöner offener Haufen mit einem rubinroten Stern

Schatzkästlein (Aufnahme von 2009)

Schatzkästlein
(Aufnahme von 2009)

Eta Carina: die Nebelpartien dieser HII.-Region sind schier unergründlich. Mit dem 8.8mm Okular erscheint der Homunkulusnebel wie eine rötlich schimmernde Sanduhr. In dem winzigen Nebelchen sind Strukturen auszumachen. Dieser Anblick ist Astrophysik live!

Galaktische Nebel um Eta Carina (Aufnahme von 2009)

Galaktische Nebel um Eta Carina
(Aufnahme von 2009)

Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke wirkt wie auf einem Foto. Die Nebelarme scheinen sich einem förmlich entgegenzustrecken.

Tarantelnebel NGC 2070 in der Großen Magellanschen Wolke (Aufnahme von 2009)

Tarantelnebel NGC 2070 in der Großen Magellanschen Wolke
(Aufnahme von 2009)

Weiter geht’s in Richtung Norden zu den bekannteren Objekten.

M1 zeigt sich wunderbar strukturiert

Messier 1 (Aufnahme aus 2006)

Messier 1
(Aufnahme aus 2006)

IC434 ist als Nebelkante deutlich sichtbar. Der Pferdekopfnebel schält sich erst nach längerem Hinsehen heraus, ist dann aber deutlich auszumachen.

Pferdekopfnebel mit IC 343 (Aufnahme von 2009)

Pferdekopfnebel
mit IC 343
(Aufnahme von 2009)

Der Flammennebel offenbart seine ganze Schönheit und der Anblick steht keinem Foto etwas nach.
Als Betthupferl schwenkten wir auf den Orionnebel, dessen ausgedehnte Nebelarme sich unvergesslich präsentierten.

der Große Orionnebel M42 (Aufnahme von 2009)

der Große Orionnebel M42
(Aufnahme von 2009)

Voller Eindrücke fiel ich müde in mein Bett.

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